Tag 9 – Von Skagan bis Smidie

9-1 Baked Beans

Die letzte Nacht war sehr unruhig. Ich war, was mittlerweile üblich war, genau bei Sonnenuntergang im Schlafsack. Das müsste so gegen 22Uhr gewesen sein. Doch leider wurde ich bis 2Uhr immer wieder wach. Ein im Takt immer wieder aufheulendes Zischen war zu hören, was mir den letzten Nerv raubte. Entweder war es eine elektrische Störung oder eine einheimische Blaumeise auf Mescalin! ;-)

Als dann auch noch meine Zeltnachbarn mit einem quietschenden Blasebalg ihre Luftmatratzen aufpumpten, war es endgültig vorbei mit meiner Nachtruhe. Erst als ich im Halbschlaf an meine Erste-Hilfe-Tasche herankam und mir zwei Ohropax ins Ohr stopfte, war endlich Ruhe.

Aufgewacht gönnte ich mir ein fast-englisches Frühstück mit Baked Beans, Toast und Eiern. Jetzt könnte ich auch wieder schlafen, aber auf – auf! Es geht weiter!

Zeltplatz plus auf 2 Minuten zeitlich begrenzte Dusche kosteten mich 180 Kronen. Schnell bezahlt und schon war ich auf dem Weg zur Fähre nach Hals.

Die Strecke war anfangs sehr angenehm und ich kam gut voran. Kurz vor Hals dann eine Schrecksekunde: Ein Auto passierte mich und schnitt mich so knapp beim Wiedereinschären, dass ich schon dachte, es würde mich von der Straße drängen. Das hätte echt schief gehen können…. Es war natürlich ein Landsmann mit Bremer Kennzeichen >:(

Nachdem ich mit der Fähre sicher übersetzte, ballerte die Sonne so krass, dass ich nach kilometerlangen Weizenfeldern der Erschöpfung doch sehr nahe war. Meistens bestanden die Untergründe dieser Feldwege aus Schotter und stets war kein Mensch in Sicht. Wenn ich jetzt hier mit einem Hitzschlag vom Rad fallen würde, würde dass auch kein Schwein merken.

Doch hin und wieder fuhr ich dann doch durch einige Gegenden, wo einmal ein Haus stand. Ein Mann der gerade in seinem Garten grillte grüßte mich mit Blick auf meine St. Pauli Fahne mit den Worten: „Pirat’s Life is hard, he?” – ich erwiederte „Yo ho, a pirat’s life for me!” :-)

Sein Lächeln baute mich etwas auf. Doch ich war ziemlich fertig. Ich machte noch kurz Halt bei einem Museum, vor dessen Eingangsbereich eine Aussichtsturm stand. Also -zack- hoch und der Höhenangst strotzend ein paar Schnappschüsse gemacht.

Später wieder jede Menge Weizenfelder und Schotter – Als ich dann total erschöpft auch noch kein Wasser mehr hatte, kam ich an einem Haus vorbei, wo ein älteres Ehepaar draußen saß. Mit letzter Kraft bat ich sie um „tap-water” was sie mir auch prompt gaben. Es entstand eine Unterhaltung, bei der sie mir erzählten, dass sie erst vor 2 Wochen in Deutschland waren. Genauer gesagt in Hudson…oder so ähnlich. Sie waren schockiert, als ich nichts damit anfangen konnte. Ich rettete die Situation, als ich ihnen sagte, dass ich nach meiner bisherigen Tour sowieso auch jetzt IHR Land besser kennen würde als mein eigenes :-)

Als ich dem Mann sagte, dass mein heutiges Ziel das Shelter in Solbjerk wäre, war er erneut etwas enttäuscht. Er sagte mir, dass sie hier in der Gemeinde Smidie auch einen Shelter hätten (“Oh Solbjerk. Yeah there are good – BUT OUR SHELTER IS MUCH BETTER!”). Und dieses Shelter wäre auch schon in knapp 200 Metern zu erreichen.

Ich konnte nicht widerstehen und blieb in Smidie. Total dehydriert und hungrig, wackelte ich beim Shelter umher und … es war das Paradies! Es bestand aus einer überdachten Feuerstelle, mit genug Brennholz und einem extra Häuschen mit Duschkabine, richtiger Toilette und Stromanschluss.

Ich machte mir etwas zu essen, baute mein Zelt auf und machte mir es gemütlich, duschte anschließend und genoss den Abend mit Faulenzen, lesen und planen. Naja, und dem Abwehren dieser Minifliegen, die hier zu Tausenden herumschwirren. Ich machte mir ein Lagerfeuer und entspannte bis weit nach Sonnenuntergang.

Morgen geht es nicht nur Richtung Grenaa, sondern morgen steht bei Tachostand 35,8 auch der 1000ste Kilometer meiner Reise an! :-)

Bevor ich die Augen schloss, bekam ich noch 2 SMS von Freunden, und schlief glücklich ein :-)

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