Tag 9 – Von Fakenham bis kurz hinter Beccles

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Nach der Nacht auf dem Campingplatz und den sagenhaften 10Std. Schlaf bin ich ganz tiefenentspannt aufgewacht. Nach einer Portion meines (noch Zuhause zusammengestellten) Kraftmüslis und kleinem Tratsch mit der Campingplatzmutter, war ich kurz nach 9Uhr wieder auf den englischen Straßen. Es sollte abermals ein sehr heißer Tag werden, also holte ich meine Gala-Uniform, also das B4R-Trikot heraus. Was ich dann aber im Laufe des Tages feststellen sollte, ist, dass diese Signalfarbe wie ein Magnet auf Käfer reagiert. :-(
Naja, ich fuhr so vor mich hin und plötzlich versperrten mir zwei große mit Sand gefüllte Truckreifen den Zugang zu einem Waldstück des NSCR. Der Weg wäre so beschädigt, dass er nicht befahren werden dürfte. Als ging es über einen Umweg nach Reepham. Da mich der Ortsname irgendwie an Reeperbahn erinnerte, fühlte ich mich so heimisch, dass ich erst mal eine 2. Frühstückpause einlegte. Das Tolle an der Tour ist, dass man Essen kann was man will, da man gar nicht alle Kalorien wiederbekommen kann, die man im Laufe des Radelns verliert. Also waren zwei große Sandwiches, eine Banane und ein Magnum-Double-Caramel als Zugabe zur Schüssel Müsli ein guter Start. :-)
Dann ging es über Norwich nach Beccles. In Norwich ging es zuerst bei herrlichem Wetter an einem kleinen Kanal entlang, wo viele Kinder im Wasser planschten, bis man plötzlich neben der malerischen Chemi-Fabrik ankam(?!?!?)
Dann näherte sich die Uhrzeit 15:30 an diesem Samstag. Samstag, 15:30??? Da war doch was?! Und fast pünktlich fuhr ich an einem Fußballfeld vorbei, wo gerade zwei regionale Teams gegeneinander spielten. Also machte ich ne kurze Pause und sah ECHTEN Fussball aus dem Mutterland. Fever Pitch! :-)
Kurz vor Beccles fuhr Nigel neben mir entlang. “Legt die auch Eier?”, fragte er und meinte Camilla (Namesgeber, Maskottchen und Galionsfigur meines Fahrrads und das Chick von Gonzo aus der Muppet-Show), die meinen Rücken auf dem Rad bewacht. Ich verneinte, sagte aber, dass sie schnarchen würde. ;-) Wir unterhielten uns ca. ne viertel Stunde nebeneinander fahrend. Dann hieß es einen Übernachtungsplatz zu suchen. Ein paar Kilometer hinter Beccles fand ich eine große Wiese mit einigen Bäumen. War wohl mal Ackerland, was jetzt als Park umfunktioniert wurde. Nur, und das ist Glück für mich, hier war keine Sau! Also Lager aufgeschlagen, Essen gekocht und in der Sonne gechillt………. Bis wieder ein Schauer runter kam. Oh Mann, ey!
Morgen könnte ich Harwich erreichen und, so sieht es die offizielle Strecke des NSCR vor, nach Holland übersetzen. Da die Strecke aber auch vorsieht, dass man erst nach Belgien hin und auf dem selben Weg wieder zurück fahren soll, mach ich die RICHTIGE Nordseeumrundung und fahre weiter bis Dover, um von dort die Fähre nach Dunkerque zu nehmen. Laut Navi, sollte ich in 260Km da sein. Also rechne ich lieber mit 3 entspannteren Tagen, als mit 2 stressigen. Der erste 1000er ist morgen fällig!

Gedanke des Tages: Ich habe noch nicht mal die Hälfte der Reise erreicht – Trotzdem habe ich heute dem Mp3Player oft aus gehabt und die Reise(-n) rekapituliert. Ich will mir nicht anmaßen über die Welt zu reden, aber irgendwie ist Europa durch meine Fahrradreisen kleiner geworden. Man steigt in ein Auto, eine Bahn oder ein Flugzeug und ist mehr oder weniger “plötzlich” DA und hat gar kein Gefühl dafür, wie weit oder nahe dieser Ort wirklich entfernt ist. Durchs radeln habe ich mir die Länder erschlossen, langsam Stück für Stück kennengelernt, aber auch erfahren, dass man trotz des langsamen Reisens sehr, sehr weit kommen kann. Wahrscheinlich ist für Leute, die die ganze Welt befahren haben, die Erde ganz schön klein geworden….. Mal sehen, ob ich mir auch in Zukunft den Planeten kleiner strampeln kann! ;-)

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