Tag 7 – Von Kollerup bis Tversted

Ameisen-Alarm

Aufgewacht und gemerkt, dass ich ein einem Ameisenhaufen genächtigt hatte. Sie blieben zwar außerhalb des Zeltes wurden dann aber etwas mucksch, als ich raus kam. Meine ganzen Füße waren voll und hin und wieder, als ich versuchte sie wegzuschnipsen, biss mich auch eine.

Die französische Familie fuhr als erstes los. Das gab mir die Gelegenheit einen Blick auf ihre Prachträder zu werfen. Maman und Papa fuhren dreirädrige Liegefahrräder, dessen Stückpreis um die 3000 Euro liegen. Die Enfants fuhren zweirädrigen Standard ;-) Der französische Papa und ich unterhielten uns ein wenig. Sie waren eine richtige Radreisefamilie, die schon auf diversen Touren zusammen waren. So hatten sie z.B. auch schon einmal Frankreich umfahren (ca. 4000Km). Auf meine Aussage, dass er einen verdammt netten Boss haben müsste, sagte er: “I am a teacher (zwincker)”

Während die deutsche Familie sich gerade aus den Schlafsäcken schälte, hatte ich meine kleine Morgentoilette schon erledigt, frühstückte noch schnell, verabschiedete mich und weiter ging es über Stock und Stein durch den Wald. Dann wieder Straße – dann wieder Wald und so weiter. Der Untergrund wechselte sich immer wieder mal ab. Doch was dann kam, war mal wieder etwas neues. Ich fuhr noch mal zurück um sicher zu gehen, dass ich nicht falsch abgebogen war. Aber nein! Ca. 15Km hätte ich über das St. Peter Ording Dänemarks fahren müssen: Tranum Strand.

Als ich auf der Karte sah, dass es bis Løkken noch so weiter gehen würde, entschloss ich mich querfeldein eine Straße zu suchen. Eine Nebenstrecke sozusagen. Doch zuerst kam ein relativ steiler Berg über den Camilla erst einmal drüber hinweg gewuppt werden musste. Dann noch etwas offroad und ich war bei meiner Nebenstraße, die natürlich fast doppelt so lang war, wie der Strandweg – nur eben nicht so sandig!

10 Km vor Løkken dann Mittagspause. Hatte mir in einem Supermarkt mal zur Abwechslung Baked Beans, Vollkornbrote, Frischkäse und Thunfisch geholt. Es war ein Fest! Nachdem ich wieder aufgebrochen war, empfand ich das selbe wie gestern nach 60Km: Schmerzen! Keinen Bock mehr, ein wenig auf dem Fahrrad geflucht und dann ging es irgendwie wieder. Das nennt man wohl Urschreitherapie!

Kurz vor Hirtshals macht ich kurz Pause und studierte die Karte und das “overnating i det fri”-Buch, damit ich mein Shelter finde. Plötzlich fuhr ein Radreisender mit einem orangefarbenen Trikot an mir vorbei und grinste. Ich grinste zurück und er fuhr davon. Mmh. Keine 2 Minuten später fuhr er wieder zurück und blieb bei mir stehen. Wir unterhielten uns und man merkte wie unser beider Laune sich merklich besserte, jetzt wo wir mit einem Leidensgenossen sprachen. Es war für uns beide beruhigend, dass es noch andere Verrückte gibt, die alleine mit dem Fahrrad einfach so drauf losfahren. Er sagte mir, dass er noch nach Skargen wollte. Für mich war das viel zuviel, denn Skargan war noch ungefähr 40-50Km entfernt. Aber er sagte, er hätte gut gegessen ;-)

Ich wollte nur nach Hirtshalts zum Shelter kommen. So verabschiedeten wir uns und jeder fuhr seiner Wege. Ich erreichte Hirtshals. Eine kleine süsse Hafenstadt mit vielen Fischkuttern. An einer Kreuzung traf ich zwei weitere Radreisende. Ein Pärchen aus Schweden. Nachdem ich ihnen einen Tipp gab, wie es weiter gehen könnte, sausten sie (geringschätzend lächend) davon. Nach ca. 5 Km fuhren sie in entgegengesetzter Richtung, wiederum grinsend und sogar in einiger Entfernung lachend, an mir vorbei.

Ich ließ mich nicht beirren, weil ich mir sicher war, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Dann machte ich noch einmal eine kurze Rast und endlich kam mein hochmoderner Reis-Kichererbseneintopf auf den Tisch. Naja, die kulinarische Offenbarung war das nicht. :-( Frisch gestärkt ging es weiter die Stadt Tversted durch und dann “Augen auf!” nach dem Shelter.

Nach kurzer Orientierung fand ich das “Shelter-Dorf” ganz schnell. Es bestand aus drei großen Doppel-Shelter.

Alle Hälften waren schon komplett belegt – bis auf eines! :-)

Juhu! Da letzte Nacht die Frankfurter schon schneller waren, hatte ich ja hinter dem Shelter in meinem Zelt geschlafen. Nun, hatte ich endlich mein eigenes kleines Holzhüttchen! Ich hatte ein kurzes Gespräch mit einem älterem Ehepaar. Sie informierten mich über die Vorfälle in Oslo und auf der Insel Utoya. Krass, wie sehr man von der restlichen Welt ausgeschlossen ist. Dabei fahre ich durch Dänemark und nicht durch Kasachstan!

Wie das dann wohl ist? Ich unterhielt mich nachdem ich meinen Tee gekocht hatte bei einem fantastischen Sonnenuntergang mit meinen “Nachbarinnen”, also den Bewohner der anderen Shelterhälfte wo ich nächtigte. Es waren drei bildhübsche Schwestern mit denen ich mich “angeregt” unterhielt ………….. bis ihr Vater kam! ;-)

Und wer kommt ca. 1 1/2 Stunden später angedackelt? Genau! Die zwei lachenden, aber letztlich dann doch verplanten Schweden! Ohhhhhhh, schade! Kein Shelter mehr frei. WHO’S LAUGHING NOW, SUCKERS!?!?!?!?!?!?

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