Tag 6 – Von Inverness bis kurz vor Lettermore

6-Hostel

Für Elise. In notengepackter Nemesis jedes Menschen, der mal mit den schwarz-weißen Tasten (in meinem Fall “bis jetzt” relativ erfolglos) zu tun hatte. Wenn dieses liebreizende Stück aber als Ton der Rezeptionsklingel ertönt – und das fast alle 2,892 Minuten bis um Mitternacht- ist an Schlaf nicht zu denken! Hatte ich erwähnt, dass sich die Rezeption neben meinem Zimmer befand?…

Zu allem Überfluss kam auch noch mein Mitbewohner kurz vor Mitternacht ins Zimmer … voll wie n’ Eimer und legte sich in sein Bett. Im Hochbett über ihn versuchte ich zu schlafen – mit dem zarten Duft von abgestandenen Alkohol aus dem Hals dieses Typen, was mir so sehr in die Nase strömte, dass ich fast brechen musste.
Ich wachte um 7Uhr auf und machte mich fertig und musste erfahren, dass die Rezeption erst um 8Uhr öffnete. Ich schleppte Camilla wieder von 2. Stock (wohin ich sie gestern einlagern musste, da es im Hostel keinen Keller gab) ins Erdgeschoss, um sie fertig zu bepacken. Ich war um 8:15 fertig und immer war die Rezeption noch nicht besetzt. So drückte ich voller Schmerzen (da ich mir nicht sicher bin, ob ich nach gestern ein Inverness-Komplex erlitten habe) nun selbst die Klingel und “Für Elise” erklang. Mir stellten sich die Nackenhaare hoch, aber es funktionierte. Ein schlaftrunkener Kerl kam an und ich konnte endlich auschecken.
Da die Küche erst um 9Uhr!!! öffnete, konnte ich nicht frühstücken, was ich beim nächsten Fastfood-Laden nachholte. Dort schnackte mich ein älterer Schotte an. Der Mann, Typ “Seebär”, hatte einen so krassen Akzent, dass ich ihn kaum verstand. Er war schockiert, dass ich so einen amerikanischen Akzent hätte. Ich versuchte das mit den Filmen und Serien aus den USA zu erklären, dennoch musste ich ihm versprechen an meinem schottischen Slang zu arbeiten. ;-)
Dann ging es frisch gestärkt los. Nachdem ich nach ca. 10 gefahrenen Kilometer, kurz anhielt um meinen Mp3 Player anzuschmeißen, sauste ein vollbepackter Radreisender an mir vorbei. Endlich, ein Allierter, ein Bruder im Geiste – und der fährt einfach vorbei … der Sack! Naja, ein Großteil der heutigen Strecke verlief neben der A368. Das war einerseits gut, weil es so ziemlich schnell voran ging, andererseits auch etwas eintönig. So begann ich ein paar Spielchen zu entwickeln: “Logbuch des Captains. Sternzeit 01081,2. Die USS Camilla ist in einen Nacktschnecken-Asteroiden-Feld geraten. Unser Überleben hängt alleine an Bordpilot Mick ab, der die Camilla um die Nacktschnecken herum manövrieren muss.” Doch auch die Nacktschnecken waren irgendwann nicht mehr da und ich hörte viele Hörspiele.
Trotzdem gab es hin und wieder auch reizvolle und sogar herausfordernde Streckenabschnitte. Es gab einmal einen fast zugewachsenen Weg, wo ich durch musste. Da Flog mir eine Wespe so unglücklich zwischen Schläfe und Sonnenbrille, dass sie mich Biss oder stich. Es tat auf alle Fälle nur weh. Doch keine Zeit dafür, denn kurz danach kam eine Brücke, bei der ich mein Rad einige Stahltreppen runterschleppen musste. War nicht ohne. Hatte Angst dass mir Camilla abstürzt. Ging aber alles gut und ich war kurze Zeit später mitten in den Highlands. Überall Berge um mich herum. Bei einem Foto was ich von Camilla im Angesicht der Berge machen wollte, brach mein Fahrradständer. Mist – Aber zum Fahren brauch ist das nicht. Ist aber rein praktisch gesehen und für die Fotos schade. Irgendwann suchte ich mir einen Platz für mein Zelt und machte Rast, mir etwas zu essen und mich bettfertig. Es ist der mega-hammer! Ich campe mitten in den Highlands. Um mich herum sind nur Berge und kei ne Menschenseele. Das ist Freiheit! Jetzt liege ich im Schlafsack und es hat natürlich angefangen stark zu regnen und stürmt so heftig, dass ich Angst davor habe, dass mir das Zelt wegweht. Hoffentlich ist morgen früh alles gut.
Tageskilometer: 134,05
Nettozeit: 7:05 Std.
Song des Tages “Für Elise” von Ludwig van Beethoven

Ein Kommentar

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