Tag 6 – Von Agger nach Kollerup

Camilla und die Isländer

Was als eigentlich kurze Tour begann, wurde schnell dann eine der Leiden. Morgens noch kurz mit der Camping-Platz-Mama geschnackt. Sie hat einen Sohn in Hamburg, der wiederum sehr von der Stadt schwärmt und eigentlich nicht mehr von dort weg will :-) Kurze Zeit nachdem ich aufgebrochen war, traf ich auch schon sehr bald meinen Nemesis des Tages: den Thy Nationalpark! So ungefähr zu vergleichen mit den Harburger Bergen, nur auf Untergründen wie Stein, Kies und Gras – und das 50 Km.

Zwischenzeitlich musste ich auch oft eine Pause einlegen. Zum Beispiel direkt neben einer Rennkoppel. Ich ging aufgrund meiner Pferdehaarallergie erst einmal auf Distanz. Doch kaum als ich mein Rad abstellte, galoppierten plötzliche ALLE Pferde zum Zaun bei dem ich Stand. Ich weiß nicht, ob es nur so aussah, aber es schien als ob die Pferde alle Camilla (also das Stofftier) anschauen würden. Ich lag am Boden vor lachen!

Weiter auf der Berg und Talfahrt musste ich ziemlich oft schieben, weil es einfach zu steil war. Dann eine kurze Pause und erstmalig meine Hauptmahlzeit nicht am Abend, sondern am Mittag eingenommen. Es gab Nudeln mit Pesto….was sonst!

Eine ähnliche Szene ereignete sich noch einmal, als ich einen dieser Grasweg entlanghubbelte. Plötzlich schossen 3 Hühner aus dem Gebüsch. Ich versuchte langsam an ihnen vorbei zu fahren, doch sie liefen nur vor mir davon – Wahrscheinlich aus Respekt. Logisch! Ich hatte ja schließlich das Alpha-Hühnchen an Bord. ;-)

Durch das ganze hin- und her durch den Nationalpark, kam ich meinem Ziel kaum näher. Also beschloss ich einen Teil auf eigene Faust zu fahren, was ich dann auch machte.

Doch dann kam ein Schild, das mein Tagesziel in 40 Km Entfernung angab. Bei bereits 80Km in den Knochen eine harte Nuss. Glücklicherweise wurde ich mit einem atemberaubend sonnigen Tag belohnt, an dem es richtig Spaß machte Rad zu fahren.

Nichtsdestotrotz: Mein Po schmerzte von Tag zu Tag mehr. Ich hatte ja schon einen Gel-Überzug drüber gespannt, doch nun stoppft ich auch noch ein Handtuch hinein, mit der Hoffnung, es wäre etwas weicher. Es hieß dann nur noch den Naturzeltplatz zu finden. Relativ orientierungslos führte mich mein Gefühl zu einem Waldstück, indem sich so einer befinden sollte. Letztendlich halfen mir einige Mountainbiker, die gerade eine Tour machten, den Platz zu finden. Ansonsten hätte ich wohl weiter munter meine Bahnen gezogen. Eine deutsche und eine französische Familie waren schon da. Was die Franzosen angeht, bestätigt sich das Cliche: Power Radfahrer mit krasser Ausrüstung, Liegefahrrädern aber ohne Englisch-Kenntnisse. Was die deutsche Familie anging: Juhu! Super nette Leute. Mama Martina war sogar Sozialpädagogin (stilecht mit Feder im Haar und selbstgestrickten Pullover). Da ich dem selben Berufsstand angehöre, fühlte ich mich wie zuhause :-) Die Familie kam aus Frankfurt und sie waren bis Aalborg geflogen, um dann ein wenig die Gegend mit den Rädern zu erkunden. Sie mussten aber in wenigen Tagen schon wieder zurück nach Hause. Die deutsch-französische Freundschaft wurde gestärkt, indem wir alle zusammen versuchten, uns alle morgen in die jeweilige richtige Richtung zu navigieren. Also studierten und tauschten wir unsere Karten und erklärten mit Händen, Füssen und den letzten Schul-Französisch-Kenntnissen den richtigen Weg. War ein witziger Abend und machte mir eines deutlich: Mit sozialen Kontakten ist so eine Tour weitaus besser zu ertragen! Ab jetzt werde ich nie mehr wieder halb-anonyme Campingplätze ansteuern, sondern nur noch die phänomenalen „overnating i det fri” Shelter!

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