Tag 4 – Von Ashington bis Redcar

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Mit Sonne, aber doch ein paar Wolken geweckt. Einige Menschen mit denen ich bereits gestern den einen oder anderen Plausch gehalten hatte, kamen erneut samt Hunden und erkundigten sich nach meiner Nachtruhe. Ich machte mich gegen 9Uhr auf, aber das Quitschen meiner vom Regen ölberaubten Kette beunruhigte mich. Plötzlich überholte mich ein sportlicher, älterer Mann. Ich hinterher und als ich ihn eingeholt hatte und nach einem Laden fragte, der Kettenöl verkauft, sagte der ich solle ihm folgen. Wir unterhielten uns etwas und ca. 15min später waren wir bei einem Geschäft für Autoteile, wo ich 2Pfund in eine kleine Flasche Kettenöl investierte. Ich bedankte und verabschiedete mich von dem Mann und kaum war eine Minute vergangen, kam der nächste Radfahrer neben mir hergefahren. Auch er begleitete mich bis zum Stadtrand von Blyth und warte mich vor den “fuckin’ yorker Autofahrern”.
4aEine kleine Bemerkung am Rande: Wenn ich Menschen am Straßenrand sehe, dann lächle ich sie immer an, was in der Regel den auch das selbe auf den einheimischen Gesichtern erzeugt. In South Shields jedoch guckten gleich 3 ältere Männer hintereinander so böse, dass Scrooge ne wahre Frohnatur war… VOR DEN 3 GEISTERN! Aber ich schweife ab. Es ging weiter zur ersten Fähre auf der ich mit einem Jungen sprach, der mich alles mögliche über mein Fahrrad ausfragte. Ich musste ihm (und euch jetzt) ein Geständnis machen: Seit dem Flug nach Edinburgh funktionierte die Schaltung nicht richtig. Ich versuchte etwas rum zuschreiben, was aber keinen Effekt hatte. Der Junge sagte mir, dass es in der Nähe ein Fahrradgeschäft gäbe, dem ich auch nach meinem Dank für den Tipp beim Jungen, gleich einem Besuch abstattete. Ich blamierte mich etwas, als der Mechaniker herausfand, dass der Schnellspanner das Schaltungskabel abklemmte. Er setzte den Spanner schnell auf die andere Seite, damit dies nicht nochmal geschieht und sträubte sich vehement ein Trinkgeld anzunehmen. Für ein Foto war er aber zu bewegen. :-)
4bIch fuhr weiter und die Sonne knallte vom Himmel. Als ich mich wunderte, warum plötzlich alle Jungs Bayern-Trikots tragen, stellte ich beim zweiten Blick fest, dass ich in Sonderland war. Ich deckte mich mit Brötchen, Makrelen, Jalapenos-Coleslaw und Frischkäse ein und machte eine längere Mittagspause am Strand. Als ich wieder alles zusammen packte, sah ich ein kleines Mädchen, meine Flagge betrachten. “Was ist Amnesty?”, fragte sie. Ich erklärte ihr kindgerecht, was Menschenrechte sind und wofür sich Amnesty einsetzt (gut dass ich die Broschüre “Menschenrechte für Kinder” mal gelesen hatte :-) ). Als ich ihr sagte, dass ich um die Nordsee radele, um Spenden für diese Arbeit zu sammeln, guckte mich das Mädchen erst mit großen Augen an, um mir im nächsten Moment eine 20 Pence Münze entgegenzustrecken! Ich war baff, lehnte ab, aber bedankte und lobte sie für das Angebot. Diese Begegnung wird wohl an “Süßigkeit” nicht zu toppen sein! :-) :-) :-)
4cWenig später ging es weiter und ich kam leider nicht auf die nationale Radroute 1, weil die Eingänge zu der mit Mauern umrundeten Strecke zu klein waren. Es handelte sich dabei um nach oben hin zulaufenden Metallstangen, die mir noch öfters begegnen sollten. Wie auch immer, schließlich fand ich einen Zugang und war auf der Route, was sage ich: Der Strecke der Strecken: Den Eurovelo 12! Kieswege, Holzbrücken über Entengrützenmoore, enge Fahrerinnen, an dessen Rädern Unmengen an Brennnesseln Spalier stehen um alle 0,2 Sekunden mit meinen Knien abzuklatschen – die Strecke hatte alles. War aber schon nach 20Km(!) vorbei und zack war ich in Middlesbrough. Und Zack kam ein krasser Schauer nieder, vor dem ich mich zunächst unter einer Brücke versteckte. Als es nach 30min kurz aufgehört hatte und ich weiter fuhr, regnete 5min weiter. :-(
Ich erreichte erst gegen 19:30h Redcar, obwohl ich eigentlich immer um 18Uhr von der Straße sein will. Sei es drum. Ich machte es mir bei mittlerweile klarem Himmel in den Dünen am Strand bequem, trank meinen Tee und genoss den Sonnenuntergang.
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Album des Tages: Als es wieder regnete, musste ich den Motor wieder auf Touren bringen und erreichte dies mit meinem Lieblingstriathlonwettkampfmotivationsalbum: “Year Zero” von Nine Inch Nails.

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