Tag 4 – Von Aberdeen bis Portessie

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Ich muss an dieser Stelle ein Geständnis machen: Ich bin einfach verplant! Nicht nur das ich einen Haufen unnützer Sachen mit mir rumschleppe, meine Flagge eher ein besserer Lappen ist und ich total blauäugig hier her geflogen bin ohne nur einmal mit meinem Navi einmal richtig zu arbeiten!
Nein, ich verkünde auch vollmundig den North Sea Cycle Route zu fahren, und hab eigentlich nicht so richtig Ahnung wo der eigentlich lang geht!
Doch dazu gleich…

Der Tag startete mit einem herrlichen Frühstück, dass mir das nette Hostel-Mädel servierte. Pappsatt und frisch gestärkt ging es dann gegen 9Uhr aufs Rad. Ich brauchte aber nicht lange warten bis ich wieder absteigen musste, um meine Regensachen wieder anzuziehen. Es regnete praktische den ganzen Tag mit unterschiedlicher Intensität. Dabei war die Landschaft so schön :-(

Es war die Strecke nach Turriff, denn ich hatte bemerkt, dass der NSCR gar nicht über Dufftown und den Malt Whisky Trail führt (wahrscheinlich weil sonst die ganzen betrunkenen Radfahrer eine Gefahr für den Verkehr darstellen würden ;-) , sondern Oldmeldrum, Macduff und Buckie. Das Gute daran ist, dass ich 2008 schon auf dem Trail wandelte oder eher wankte und ich zusätzlich herausfand, dass der NSCR vor den Shetlands auch über die Orkney Inseln führt (hatte ich schon erwähnt, dass ich verplant bin?!). Von den Orkneys kommt mein Lieblingswhisky, also hoffe ich dort die Distellerie zu besuchen.

Nach endlos regnerischen 40 Km nach Oldmeldrum, sagte mein Navi es wären über die offizielle Strecke noch gut 50 Km bis nach Turriff, wobei man wirklich einen extrem derben Umweg fahren sollte. Bei dem Regen machte es keinen Spass und ich entschied mich erneut zu schummeln und die “Bundesstraße” zu nehmen. Auf dieser ging ich ab wie Schmidt’s Katze: Ich fuhr um die 25Km/h … im Schnitt! Gar nicht so übel für einen leicht übergewichtigen Typen mit 25Kilo Gepäck auf einem MTB. :-)
Da sieht man, was das Triathlontraining beim FC St. Pauli so alles bewirken kann ;-)

Am Ende des Tages und als ich Cullon erreichte, besserte sich das Wetter. Ich hielt an und machte ein paar Fotos – natürlich wieder vom Meer (also der Nordsee). Als ich nichts böses ahnte, fuhr ein Auto heran und hielt neben mir, als ich gerade wieder einmal meine Regenklamotte rauskramte. “You gonna need those”, sagte der ältere Mann und es entwickelte sich ein fast 15minütiges Gespräch, von denen er mir etwas von Schottland, seiner Familie, Krabbenfischerei und den Ölbohrungen hier erzählte. Nach diesem witzigen Intermezzo ging es weiter Richtung Buckie … Mhh, ob hier wohl die Wellensittige herkommen? – Egal- auf alle Fälle war das Wetter gerade OK und ich wollte unbedingt am Meer mein Zelt aufbauen. Gesagt – getan!

Auf der Rückseite einer alten, leerstehenden Werft fand ich den perfekten Ort. Einen Steinwurf entfernt schwappten die Nordseewellen gegen die Felsen. Ich machte mir mein Abendessen und meinen Tee, als ein Mann samt Hund auf mich zukam. Als typisch Deutscher dachte ich jetzt: Der scheucht dich hier weg und droht mit der Polizei. Aber nein. Auch dieser Mann wollte nur mit mir einen Plausch halten. Er erzählte mir welche Teile des Horizonts Inverness und Wick seien, dass er auch mal als 20jähriger im Februar in den Highlands wandern war, dass er ein profunde Deutschland-Kenner war und beschwerte sich über die schottische Wegwerfgesellschaft. Ein ähnlich herzliches und witziges Gespräch wie das zuvor. Leider konnte ich den Sonnenuntergang aufgrund der Wolken nicht mehr sehen, dennoch war es bisher der schönste Abend der Reise. Das letzte was ich hörte, bevor ich einschlummerte, war das Geräusch der Wellen…

Tageskilometer: 122,11
Nettozeit: 6:34 Std.
Song des Tages: Es passte zu dem letzten Album was ich heute hörte: Diverse Ameisen machten sich auf meine Isomattebreit breit, als ich mir mein Essen machte: “Ants Marching” von der Dave Matthews Band

Ein Kommentar

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