Tag 3 – Von Niebüll bis Esbjerk

Bannock ist fertig

Mein Entschluss stand fest! Ich gebe auf! Das war’s! Ich schaff das einfach nicht – schon gar nicht alleine! Ich rief meinen Vater an, ständig darauf bedacht nicht laut loszuheulen und bat ihn mich in Niebüll abzuholen.

Mal was Neues: Es regnete! Irgendwie musste ich aus diesem Zelt raus und mich fertig machen. Mein Dad konnte mich ja nicht aus dem Wald abholen und einladen wie ein Stück Frachtgut. Also ab in meine nasse Unterwäsche, meine nassen Socken, meine nasse Hose und mein nasses Trikot. Der Versuch einige Kleidungstücke innerhalb des Zeltes trocknen zu wollen … schlug fehlt. Dafür wurde das Zeltklima um ein strengeres Bouquet bereichert :-(

Während ich mir ein Bannock-Brot in meinem Gaskocher zubereite (ich wollte ja die 1,5 Kg Mehl nicht umsonst mitgenommen haben), checkte ich noch einmal schnell meine Wetterapp, solange der Handy-Akku noch Saft hatte: Regen für minimum die nächsten 3 Tage! Das schaff ich einfach nicht!

Was kann ich den Leuten nur sagen: „Schwere Zerrung”, „Rad-Rahmenbruch”, „Die Pocken bekommen”, „Ein Eber hat mein Zelt gefressen”?

Ich kann doch nicht sagen: „Tja, bin halt ne sensible Lusche und wollte nicht mehr alleine mit all meinen Gedanken über mein altes Leben sein!” Oh, mein Gott, wie peinlich ist diese Scheiße?!?! Ich sitze hier heulend auf einem beschissenen Selbstfindungstrip in meinem nassen Zelt an der dänischen Grenze und backe Brot in einem Gaskocher!

Nach dem Essen konnte ich nicht mehr rumliegen und nachdenken. Ich versuchte nicht mehr zu denken, sondern zu funktionieren! Ich packte alles ein und schob „The mighty Battleca…milla” aus dem Wald wieder zur quer verlaufenden Straße zurück. Links ging es zur dänischen Grenze – rechts zur Tankstelle in Niebüll, wo mich mein Vater abholen sollte.

Ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich todesmutig in die „richtige” Richtung stürzte, weil ich meine Eier wieder spürte. Nein! Es war ein Moment der absoluten Leere! Ich dachte gar nichts. Es war das pure weiße Rauschen! Erst kurze Zeit später realisierte ich erst so richtig, dass ich die dänische Grenze passierte (leider ohne Grenzkontrollen, die die dänischen Rechtspopulisten wieder einführten. Ich hatte mich schon so auf die Gesichter der Grenzposten gefreut, wenn sie meine kleinen Tütchen mit weißen Pulver in meinem Gepäck finden ….. war Eiweißpulver ;-) .

Langsam lies der Regen nach, bis er ganz aufhörte. Selbst die Sonne kam etwas heraus, was mich dazu veranlasste ein paar Klamotten zum trocknen aufs Gepäck zu spannen, die Regenjacke auszuziehen (die ihren Namen nicht verdiente) und ein Foto von der Sonne zu machen. :-)

Ein paar Kilometer weiter erkenne ich ein blaues Schild mit einer 1 und einem Logo: Ich war auf dem NORTH SEA CYCLE ROUTE! YEAH! Es war eine tolle Strecke. Ich musste nur geradeaus und meist ist der Weg neben- und nicht auf der Straße. Von der Bundesstraße 5 mit ihrem Radstreifen direkt neben der 70-100Km/h Strecke habe ich immer noch nervöse Zuckungen. Besondere Zuckungen bekam ich als ein Autofahrer wild hupend hinter mir her fuhr und ich keine Ahnung hatte, was er wollte. Als er mich passierte erkannte ich einen großen Totenkopf auf der Heckscheibe :-)

Ich erreichte Ribe – einen kleinen Ort mit einem Park in dessen Mitte ein See war. Bei einer Bank machte ich Pause und aß meinen letzten Apfel.

Das Bannock war zwar lieb gemeint, aber die 1,5Kg extra Gewicht hätte ich mir lieber sparen können. Es war ja schließlich nicht so, dass ich in der Wildnis war! So entledigte ich mich des Ballastes und erreicht kurze Zeit später Esbjerk und war am Meer! Nach fünf Kilometern erreichte ich einen Zeltplatz. Keinen Plan von gar nichts – hatte ich natürlich noch keine „Camping-Card” bestellt, was ich dann vor Ort machen musste, wenn ich vorhätte länger als zwei Nächte in Dänemark zu bleiben….und das hatte ich nun! :-)

Nachdem alles bezahlt war, hauchte mir die süsse Rezeptionistin noch ins Ohr: You can use our pool for free. It has 29 degrees Celsius”……..Oh Baby, lass uns nackisch ausziehen und reinhüpfen!

-Tat sie nicht. Dafür genoss ich nach Poolplanschen, Duschen, Pasta essen, Tee trinken und Tagebuch schreiben, fast so etwas wie Sonnenschein und Zufriedenheit.

Unglaublich was mit mir an diesem einzigen Tag alles passiert ist!

Ein Kommentar

  1. Anja paul sagt:

    Hallo Mick,

    du müsstest m. E. wieder da sein. Meine Hochachtung und meinen Glückwunsch für dein Durchhaltevermögen und deine Leistung und Entschlossenheit. Ich hoffe, ich erkenne dich noch wieder, wenn du hier aufschlägst, d. h. um einige Kilo leichter und möglicherweise um einiges gewachsen :-) .

    Bin gespannt live von dir zu hören, gelesen habe ich ja bereits so einiges aber live ist doch immer etwas anderes.

    Herzlich willkommen in der alten Heimat, in Hamburg.
    Schön, dass du wieder da bist.

    Viele Grüße

    Anja

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