Tag 3 – Von Berwick bis kurz hinter Ashington

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Es war eine unruhige Nacht hinter der Hecke, denn davor waren einige Parkbänke auf denen sich die Dorfjungend breit gemacht hatte. Erst gegen 3Uhr waren sie verschwunden ohne glücklicherweise auf mein Zelt uriniert zu haben. Geweckt wurde ich 2Stunden später von dicken Regentropfen die im Beat auf mein Zeltdach trommelten. Während ich noch mein Sonnenbrand von gestern schmerzte, wurde ich von der grausamen Realität eingeholt, dass der Flieger mich eben nicht auf eine tropische Insel brachte, sondern doch nach Schottland! Ich frühstuckte, packte alles zusammen und zog mir meine Regenklamotten an. Als es nicht mehr in Strömen regnete, passte ich den Moment ab, um das Zelt abzubauen und loszufahren. Nur 3 Kilometer später, hatte sich der Niederschlag wieder die vorherige Menge erreicht und dazu kam mal wieder die “rustikale Streckenführung am Busen der Natur” die ich schon die letzten Jahre besonders bei Regen gehasst hatte: ganze 5 Km führten über eine Schafsweide! Eine kleine, mit Regenwasser überlaufende Spurrinne wies den arg holprigen Weg. Es regnete und regnete. Gestern erzählten mir noch Leute, dass es die letzten Wochen hier kaum geregnet hätte. Sollte sich das ausgerechnet ändern, wenn ich hier mit dem Fahrrad bin?!?!?
Zum Wetterunglück, kam auch noch Pech hinzu. Als ich in einem kleinen Ort anhielt, um bei einem Kiosk mir Brötchen und Schoki zu genehmigen, machte es plötzlich: KNACK!!
Ich spuckte den Bissen in meine Hand und sah einen Zahn in den angespeicheltem Brötchenstück. Meine Krone wollte sich anscheinend mal die Welt von draußen angucken. Ich malte mir schon wilde Stories aus, wie ich hier bei einem Zahnarzt ein Vermögen loswerden wurde, weil ich mir vorher vom netten AOK Mitarbeiter keinen Auslandskrankenschein geholt hatte. Naja, gesäubert und wieder eingesetzt. Ab jetzt heißt es: Nur noch mit links kauen und keine Winegums! :-(
Und dann das Umfassbare: Nach fast 6 Stunden grauem Himmel, plötzlich die Sonne und alles war blau! Bei dem scheiß Wetter und auch beim guten, kam ich schnell voran, ohne Schmerzen oder große Anstrengung. Nur Camilla knackte etwas, da sie ja alles Fett vom Regen weggespühlt bekam. NEIN, dachte ich. Ich habe das Kettenöl vergessen! Der nächste Fahrrad laden ist meiner.
Der Plan, heute einen Campingplatz zu suchen, um endlich mal wieder zu duschen, würde deswegen durchkreuzt, da es in dieser Gegend hier nur CARAVAN-Sites, jedoch keine Campingsites gibt. Also holte ich mir noch Wasser und baute an einem Wanderweg mein Zelt auf. Der wunderschöne Abend, samt, strahlend blauen Himmel, Buch lesen, Essen kochen, Tee trinken und einem Bad in der Nordsee entschädigte für vieles am heutigen Tag. Jetzt tippe ich noch kurz zuende, hoffe darauf dass das Wetter morgen so bleibt und höre den Wellen zu!

Mal ein Gedanke des Tages:
Ich sollte aufhören mit Erwartungen an diese Reise ranzugehen. Das Tolle ist doch, dass alles unerwartet ist. Dazu gehört nicht nur, dass ich nie weiß wo ich am nächsten Abend wie schlafe, sondern auch das Wetter. Diese Reise soll nicht so werden, wie ich sie mir vorstelle, sie soll einfach nur werden. :-)

3 comments

  1. Kirsten says:

    Ach, hier kämst Du auch von einem Schauer in den nächsten, ist also nicht so, als ob Schottland da besonders schlimm wäre :-) . Halt Durch!

  2. Madeleine says:

    Falls du deine Krone verlieren solltest, ich schicke dir meine. Hab eine tolle zum Geburtstag bekommen. Blau ist sie, mit goldenem Rand:-D also, einfach nur Bescheid geben.
    Ich liebe deine Berichtr mal wieder seeeeeehr!!!!!!

  3. Gerrit says:

    Mick, Deinen Gedanken des Tages habe ich eben auf der Couch im warmen, trockenen Wohnzimmer meiner Frau vorgelesen. Der ist toll und weckt sofort das Fernweh! Ich bin sicher die Reise wird! Was sollte sie auch sonst tun? ;-)

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