Tag 28 – Von Kiel nach HAUSE!

xx

Als ob mich Petrus noch einmal auf die Probe stellen wollte, kam um Punkt 8Uhr ein ziemlich krasser Schauer nieder, aber mein Entschluss stand fest: Ich würde mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Nachdem ich mich bei meinen Gastgebern und den Kindern bedankt und verabschiedet hatte, fuhr ich gegen 8:30Uhr von Kiel aus los. Anfangs war es etwas schwierig, denn ich hatte natürlich am gestrigen Tag einen Fehler gemacht. Ich hatte keine Deutschlandkarte im Navi-Speicher und übertrug eine vom Computer meiner Freunde. Blöderweise übertrug ich alles einzeln (erst die von Schleswig-Holstein, dann die von Hamburg) und als ich den Navi anmachte, zeigte dieser nur leeren Raum an. Die Hamburg-Map war die einzige auf der Speicherkarte. Lediglich die Autobahnen und die großen Landstraßen waren zu sehen.

So irrte ich erst einmal mit Hilfe des Kompasses Richtung Süden. Dann ein kleiner See, über die nur eine hohe Brücke mit diversen Stufen führte. Ein Rentner, der samt Hund spazieren ging, wies mir den Weg und half mir unter Einsatz seiner letzten Kraftreserven, Camilla mit mir die Treppen hoch zu tragen. Runter schaffte ich es dann alleine. Unten angekommen folgte ein kurzer Weg durch wilde Landschaft, bis ich endlich wieder an einer Straße stand und dann auch bald zur Bundesstraße 4 gelangte. Von dort an, sollte ich schließlich nur noch einmal abbiegen, bis ich den Speckgürtel Hamburgs und somit auch den Einzugsbereich der auf meinem Navi gespeicherten Karte erreichte.
Mehr und mehr kam ich meiner Heimatstadt entgegen und sah immer häufiger Schilder mit “Hamburg” darauf.

Ich erreichte Neumünster, sah auf den Tacho und war erstaunt: Ich würde in keinen 4 1/2 Stunden Nettozeit Hamburg erreichen. Kein Wunder, denn ich war ja wieder “aufn platten Land”. Aufgrund der flachen Strecke und der Tatsache, dass ich wie schon in einigen Teilen Norwegens, meine Lenkertasche zum Triathlon-Aufsatz umfunktionierte. Ich stützte meine Unterarme auf den Lenker, umgriff mit meinen Händen meine Tasche, erzeugte Druck auf die Pedale und gab “Schub, Rakete”!

Freude und Aufregung meine Familie und Freunde wiederzusehen, Zufriedenheit diese Tour geschafft zu haben und Bedenken vom Alltagstrott viel zu schnell wieder eingeholt zu werden wechselten sich ab.

Bei all diesen Gedanken, stauten sich erneut alle Emotionen der Tour an. Genau wie vor 2 Tagen bei der Fahrt nach Varberg war ich wieder voller Gefühle, die zum Ausbruch kommen wollten. Im Gegensatz zu Varberg, sah ich es dann: Das Ortsschild von HAMBURG!
Ganz langsam näherte ich mich, um die letzten Zentimeter im Schneckentempo zurückzulegen. Als mein Vorderrad dann die imaginäre Ziellinie überschritt, brach alles aus mir heraus. Alles Gute, alles Schlechte. Jeder Moment der Verzweiflung und der Einsamkeit und jeder Erinnerung von Glück und Freiheit. Himmel und Hölle – komprimiert auf 28 Tage und jetzt hatte ich es geschafft!

Es war eine ziemlich belebte Straße und ich beschrenkte mich nur auf ein bißchen Schreien, Jubeln und Küssen des Schildes. Aus Angst, die ersten Menschen, die mich begrüßen, könnten Beamte des Ordnungsamtes oder der Polizei sein, blieben große Tanzeinlagen aus und meine Kleidung an :-)

Nachdem mich einige Sparkassenangestellten fotografierten, wie ich voller Kraft den MickOTELLI machte, ging es zunächst zu meiner Arbeitsstelle einen Kaffee abstaubten, danach zu meinen Eltern und dann nach Hause.

Harburg begrüßte mich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang, den ich dann auf der Alten Elbbrücke in vollen Zügen genoss.
Danach radelte ich nur noch 2 Kilometer zu meiner Wohnung.

Nach 28 Tagen,
… nach 2608,12 Kilometern,
… nach 15589 Höhenmetern (davon ca. 2100 Höhenmeter an dem einen einzigen Tag durch die Fjorde),
… nach einem Fahrradständerbruch, einer Kamera-Ertränkung + anschließender Wiederbelebung, der Verabschiedung meines E-Werks und sage und schreibe NULL Platten,
… nach sehr viel Zeit mit mir alleine, einer Zeit, bei der ich mich besser kennenlernen konnte und wieder etwas mehr darüber erfuhr, worauf es ankommt,
… nach Begegnungen mit super tollen, allermeist freundlichen und hilfsbereiten Menschen
war ich um kurz nach 20Uhr wieder ZUHAUSE!

Damit ist diese Reise vorbei.
Doch ich habe noch nicht annähernd genug!

THE ADVENTURE CONTINUES IN 2013! TO BOLDLY GO WHERE NO MICK HAS GONE BEFORE!

Doch ich bin mir sicher, dass ich England, Frankreich, Belgien und Holland nicht alleine beradeln werde.
Damit BIKE4RIGHTS eine ganz neue Bedeutung bekommt, suche ich nach 3 Radlern/Radlerinnen, die mit mir den NSCR beenden wollen. Dabei wäre es denkbar auch nur Teilstrecken mit mir zu fahren. Das Casting endet im Frühjahr 2013.
Kontakte mich hier.

Tageskilometer: 124,60
Nettozeit: 5:47 Std.
Gedanken des Tages: Dankbarkeit, Glück und Zufriedenheit

VIELEN, VIELEN DANK AN ALLE, DIE AN MICH GEDACHT UND MICH UNTERSTÜTZT HABEN.
VIELEN, VIELEN DANK AUCH AN ALLE, DIE MEINEN BLOG UND MEINE REISE SO INTERESSANT, LUSTIG ODER BESCHEUERT FANDEN, DASS SIE FÜR DIE ARBEIT VON AMNESTY INTERNATIONAL GESPENDET HABEN … ODER DIES NOCH TUN ;-)

3 Kommentare

  1. Madeleine sagt:

    Oh mick! The last blog! Ich bin so gerührt!!!! Inmernoch überwältigt von deiner reise, von dem was du geschafft hast! Ich möchte dich unbedingt bald wieder sehen und DICH feiern! Love you so

  2. Flo sagt:

    Du bist einfach ein Tier! Gratulation zu deiner Leistung!!!!!

  3. [...] 26 & 27: Von Varberg, über Göteborg nach Kiel Tag 28: Von Kiel nach HAUSE! Damit ist Bike4Rights für dieses Jahr beendet. Vielen Dank für die tolle Aktion und die vielen [...]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *