Tag 26 & 27 – Von Varberg, über Göteborg nach Kiel

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Ich hatte es geschafft!
Gestern war ich in Varberg eingetroffen und hatte damit mein Ziel, die offizielle Route des NSCR zu beenden, erreicht.
Dennoch war es irgendwie etwas irreal. Gestern hatte ich mir die letzten Kilometer noch einmal ALLES durch den Kopf gehen lassen: Was ich gesehen und wen ich getroffen hatte und was in mir alles abgegangen war. Ich wollte das alles feiern, indem ich an meiner persönlichen Ziellinie feiere. Doch die Ziellinie, die ich mir ausgesucht hatte, das Ortsschild von Varberg, kam nicht.
Stattdessen war ich plötzlich einfach da! Es fühlte sich aber nicht wirklich wie ein Abschluss an…

Ich chillte den ganzen Vormittag und beschloss mit der Bahn zurück nach Göteborg zu fahren, um dort die Fähre nach Kiel zu nehmen.
Ich verabschiedete Frida und Christopf, die begleitet werden von meinen besten Wünschen … im Gegensatz zu dem anderen deutschen Pärchen, die etwas abseits von uns ihr Zelt aufschlugen. Der Typ davon, ein Bild von einem Mann (ACHTUNG: Sarkasmus!), stolzierte wie ein Pfau auf seinem Radel die Wiese hin und her. Wollte er mir zeigen, dass auch er radfahren kann?! Dann gab er noch (sehr hörbare) Kommentare wie: “Typisch, nur de scheiß Deutschen komme mit de Zelt”, aber alle 5 Minuten bekam Muttern ihr Fett weg, indem er sie immer für irgendwas tadelte: Oh ne nä, jetzt haste scho wiedder die Wäsche nisch richtig jemacht! Jott, biste blöd, wenn ma nisch allet selber macht!” Ich musste mich arg zusammenreißen, nicht zu dem Typen hinzugehen und ihn ein paar Takte zu erzählen, aber wie gesagt, sie räumten auch das Feld. Ich entspannte, las, machte mir etwas zu essen und machte mich gegen High-Noon wieder auf zum Bahnhof.

Ich fand auch noch ein kleines verstecktes Ortsschild vom Varberg-Zentrum, aber trotzdem viel alle Anstrengung nicht ab.
Für spottbillige 15 Euro verfrachtete ich mein Rad in die Bahn und wurde mit einigen Leuten konfrontiert, die im Fahrrad/Kinderwagen – Abteil nicht für mich weichen wollte, so dass ich das Rad erst vor die Tür stellte. Nachdem ich angewiesen wurde, diese nicht zu blockieren, ging es für Camilla vor den Kaffeeautomaten neben dem Klo. Egal, nach 45 Minuten waren wir wieder in Göteborg. Danach fuhr ich gleich zum Terminal der StenaLine. Die Zeiten, wo ich in schottischen Fähren noch im Gang oder auf einer Coach gepennt hatte, gehörten der Vergangenheit an. Es geht Richtung Deutschland, also herrschen Recht und Ordnung – Ich musste eine Kabine nehmen und zahlte für das Ticket ca. 140 Euro.

Danach haute ich mir noch bei einem naheliegenden Imbiss einen großen Gyrosteller rein und schnackte mit dem Kellner, dessen Freund ein Extrem-Radreisender ist, seinen Job aufgab und durch Sponsoren mittlerweile dauerhaft unterwegs ist. Krass!
Danach ging ich gegen 16Uhr an Bord der Fähre. Jetzt auf Krampf noch einmal versuchen, etwas Touristisches von Göteborg mitzunehmen? -Nein! Das machen ich in Ruhe, wenn ich mal wieder hier bin – ohne Rad!

Nachdem ich meine Bordkarte erhalten hatte, fuhr ich in die Fähre hinein und zurrte Camilla fest. Dabei traf ich ein weiteres Radreisepärchen aus Ulm, mit denen ich mich auch noch später an Bord gut unterhalten sollte.

Nachdem alles verstaut war, ging ich in meine Kabine und war total geflasht von dem eigenen Badezimmer und der Dusche. Dann genoss ich in der Bar ein Bier, dass ich mir von meinen letzten Kronen gönnte. Anschließend konnte ich am Computer einige Fotos hochladen und las mein Buch weiter, als das erledigt war.

Später in der Kabine lernte ich meinen inzwischen eingetroffenen Bettnachbarn für diese Nacht, Said, kennen. Super netter Mann, mit dem ich mich sehr gute unterhielt. Er musste auch nach Hamburg, leider aber wegen einer medizinischen Angelegenheit in seiner Familie.

Gegen Mitternacht bezog ich das Bett und schlief wie ein Baby. Ich wachte ca. 1 1/2 Stunden auf, bevor wir im Kieler Hafen festmachten. Ich sah aus dem Fenster und da war sie – die Heimat!

Nach der Verabschiedung von Said, dem Radfahrpärchen aus Ulm (Grüßt mir den SSV ;-) und noch zwei Frauen, die auch gerade von einer 700-Km Radreise aus Schweden wiederkamen, fuhr ich aus dem Schiffsbauch hinaus und betrat nach fast 4 Wochen wieder deutschen Boden. Danach fuhr ich zu Freunden, die ca. 4 Km vom Hafen entfernt wohnten und wurde dort mit einem festlichen Frühstück empfangen. Entspannung und das Spielen mit ihren 2 kleinen Söhnen bestimmte das Tagesprogramm. Nachdem die Kinder abends begannen zu schlummern und der Papa nach Hause kam, wurde der Tag mit Pizza, Bier und super Gesprächen beschlossen.

Ich entschied mich am nächsten Tag nicht mit der Bahn zurück-, sondern mit dem Fahrrad nach Hamburg zu fahren. Ich wollte keinen Kulturschock erleiden, sondern mich langsam wieder an die Heimat gewöhnen…

Tageskilometer: 16,04
Nettozeit: 1:21 Std.
Song des Tages: Camilla und ich haben es geschafft! Feiern wie Freddie!

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