Tag 22 – Von Fredrikstad bis Hamburgsund

22-02

Tja, aufgrund der Tatsache, das der Campingplatz auf dem ich nächtigte, etwas ab vom Schuss war, musste ich wieder zurück zum NSCR. Doch das war wie immer schwieriger als gedacht. Ich stand (schon wieder) im Wald und diese Mal schickte mich mein Navi da rein, weil es eine Abkürzung zum NSCR sein sollte. Aber es war ein Reitweg oder eher eine schlechtere Motorcrossstrecke mit steinigen Hügeln, Schlamm- und Sandlöchern. In letzteren kam es dann schließlich auch zum zweiten Sturz der Tour. Auch dieses Mal blieb alles ganz. Etwas angefressen schlug ich mich durch den Wald, um dann endlich nach 1 1/2 Stunden wieder auf der offiziellen Strecke zu sein. Die letzten norwegischen Kilometer war natürlich bergig.



Doch dann erblickte ich die Friedensbrücke, an dessen Ende ich mir eine Portion VollkornPasta mit Pesto genehmigte. An der Grenze waren die üblichen Supermärkte – alle auf einen Fleck. Aber ich wollte lieber warten, bevor ich mir meinen Schokoriegel kaufe – welch eine Fehlentscheidung, denn für die nächsten 40 Kilometer gab es keine Geschäft mehr an der Strecke! Nischts! Keine Tanke, kein Supermarkt, keine Bude! Fluchend darüber, ob die Leute hier denn ihre Milch in Göteborg kaufen, fuhr ich weiter. Der NSCR war aber nicht wirklich zielführend. Nach der Grenze bewegte ich mich im wahrsten Sinne des Wortes in Schlangenlinien auf Göteborg zu. Als ich keinen Bock mehr auf diese Helix hatte, wechselte ich ab Skee auf die (Halb-)Autobahn. Da sah ich sowohl Radfahrer, aber auch Jogger und Reiter. Dennoch preschten die Autos mit 90 Sachen an einem vorbei. Ich versuchte immer schön in der Nähe der rechten Begrenzungslinie zu fahren und musste mich dabei sehr konzentrieren. Jetzt nur nicht zu sicher fühlen. Es kann alles noch schief gehen.
Endlich sah ich sie: Eine Tankstelle! Ein Königreich für Zucker! Vanillebrioche, Limo und Weingummi brachten meinen Zuckerspiegel wieder auf Normalniveau.
Es ging weiter bis nach Tanumshede und das wie ein geölter Blitz! für die letzten 23 Km brauchte ich keine 50 Minuten. Mep-mep!
Bei einem Supermarkt deckte ich mich mit Nudeln, Pesto und Trockenfrüchte ein, um die nächsten Tage eine Notration zuhaben. Dann ging es weiter in eine Stadt mit einem (fast) magischen, wundervoll wohlklingenden Namen: Hamburgsund!
Schicht für heute. Ich habe so viele schwedische Kronen, dass ich mir ruhig jeden Abend einen Campingplatz leisten kann. Das Schicksal lief zu meinen Gunsten und bescherte mir einen Platz direkt neben der Nordseeküstenstrecke. Entspannt den Abend verbracht und die nächsten Tage geplant. Noch 170Km Luftlinie bis Varberg. Das sind auf der NSCR bestimmt doppelt, wenn nicht dreifach so viel an Kilometer.
Jetzt kann und darf doch nichts mehr schief gehen!!!
Etwas nervös bin ich, weil ich die Jungs vom Fc St.Pauli Fanclub in Göteborg nicht erreiche. Hoffentlich haben sie mich nicht vergessen :-\

Tageskilometer: 121,05
Nettozeit: 6:51 Std.
Gedanke des Tages: Es gibt eine Sache beim Fahrradreisen, die ich nicht missen möchte. Es ist nichts anderes wichtig, außer seine Struktur aus aufwachen, fahren, essen, trinken, schnacken, schreiben, einschlafen. Man ist vollkommen uninformiert, was in der Welt abgeht. Doch hier und da wird man mit einigen Informationen konfrontiert. So war es z.B. bei dem Massaker auf Utøya letztes Jahr. Dieses Jahr komme ich aufgrund des Blogs nicht drum herum auch hin und wieder wenige Seiten oder auch FB zu checken. Dabei erfuhr ich von dem tragische Unfall von Gordie G., der beim Rennradtraining mit einem Auto kollidierte und dabei tödlich verletzt wurde. Ich dachte heute lange darüber nach, dachte an knifflige Situationen während der Tour, aber auch an meinen Cyclassics Unfall vor zwei Jahren. Bei diesem lief eine geistig-behinderte Frau auf die Strecke, die dann von mir mitten im Sprint voll erfasst wurde. Ich kam mit Prellungen und einem Schlüsselbeinbruch davon. Die Frau war schwer verletzt, erlitt einen Schock wurde aber wieder gesund. Gordie hatte leider nicht soviel Glück. Der Rad- und vor allem der Rennradsport ist und bleibt eine Risikosportart. Umso wichtiger sind wachsame Augen und gegenseitige Rücksichtnahme von allen Beteiligten. Wenn ich richtig informiert bin, findet morgen für Gordie eine Gedenkfahrt statt. Ich werde da ja leider verhindert sein – fahre meine persönlich Gedenkfahrt an Gordie aber hier in Schweden von Hamburgsund bis Stemungsund.

2 Kommentare

  1. Madeleine sagt:

    Sonnige grüße aus hamburg:-) ich denk an dich! Sei wachsam…

  2. [...] 22: Von Fredrikstad bis Hamburgsund Tag 23: Von Hamburgsund bis nach Almön Tag 24: Von Almön bis nach Göteborg Tag 25: Von [...]

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