Tag 2 – Von Büsum nach Niebüll

Camilla in Rucksack

Regen, Regen, Wind und Regen. Ich kann erst am dritten Tag über den zweiten schreiben – so scheiße ging es mir. Nach dem Aufwachen noch kurz mit der Mutter von meiner Bekannten geschnackt, mir nichts anmerken lassen, wie dreckig es mir doch eigentlich geht und dann schnell los auf die Strecke Richtung dänischer Grenze.

Die ersten 30 Kilometer bei leichtem Regen gingen fast noch in Ordnung. Dennoch kostete es ganz schön viel Nerven, nicht richtig zu wissen wohin man fährt, die Regenjacke sich aufsaugt wie ein Schwamm und du ständig über diverse negative Dinge aus der näheren Vergangenheit nachdenkst. Immer wieder und wieder.

Irgendwann konnte ich nicht mehr und machte kurz Rast an einer Busstation mitten in der Pampa! Ich fühlte mich verdammt einsam. Da erregte ein kleiner Spatz meine Aufmerksamkeit, der immer wieder in die überdachte Haltestelle flog, wo ich gerade mein Müsli samt Eiweißshake zubereitet hatte. Dieser Spatz war für mich so faszinierend, dass ich mich an die herumfliegende Tüte aus „American Beauty” zurückerinnerte. Doch irgendwann flog er dann weg und ich war wieder alleine. Alleine mitten im Nirgendwo in einem kleinen Bushaltestellenhäuschen. Ich versuchte mich irgendwie hochzuraffen, zuende zu essen, mein Geschirr zu waschen und wieder loszufahren. Dann wendete ich meinen Blick auf die linke, innere Seitenwand des Haltestellenhäuschens und dort stand mit Edding schlicht das Wort bzw. eher die Frage: Glücklich? geschrieben………….ich muss nicht weiterschreiben, oder?

Ich war am Ende!

Es goss weiterhin in Strömen und zu allem Überfluss die nächste technische Hiobsbotschaft: Mein Handy ließ sich nicht mehr mit meinem E-Werk laden. Alles war voller Wasser! Ich musste für den Falle eines Notrufes Akkuenergie sparen.

In meinen Schuhen stand ein See der bei jedem Pedaltritt ausgewrungen wurde. Am Ende wollte ich nur noch einen Zeltplatz finden – Doch nichts – nada! Noch vor wenigen Kilometern bin ich an gefühlten 20 Zeltplätzen vorbei gekommen. Doch umkehren wollte und konnte ich nicht mehr.

Ich wollte weiter fahren, bis ich mich irgendwo in ein Waldstück hauen konnte. Zuvor musste ich aber an einer kilometerlangen Schlange von Autos vorbei, die auf die Fähre nach Sylt wartete. Viele reagierten verblüfft, erstaunt oder schlicht mit Kopfschütteln auf den bekloppten, etwas dicklichen Typen, der mit St. Pauli Fahne und Stoffhuhn an ihnen vorbeifuhr. Ich kam mir vor, wie auf dem Servierteller, was meine Laune nicht gerade besserte. Ich wünschte mir ein tiefes Erdloch herbei. Das ersehnte Waldstück war nun gefunden. Ich baute im Regen mein nasses Zelt auf und verkroch mich darin. Nachdem ich erneut ziemlich viel Körperflüssigkeit auf für mich eher ungewöhnlichem Wege verlor, machte ich mir etwas zu essen, dachte aber immer wieder über ALLES nach.

Ich versuchte zu schlafen. Es regnete die ganze Nacht.

Ich kann nicht mehr – ich will nicht mehr!

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