Tag 19 – Von Lillesand bis nach Risør

19-01

Ich wachte in der Nacht kurz auf. Wieder einmal stand mein Zelt nicht vollkommen gerade, so dass ich immer wieder in eine Ecke rutschte. Um ca. halb acht wachte ich auf und machte mich fertig. Um halb neun war ich wieder “on the road” und um kurz vor zehn am frühstücken. Beinahe schon billig kaufte ich mir die morgentliche Portion Kohlenhydrate bei Medy und bezahlte wie immer mit Plastik, denn diese Freiheit muss ich mir gönnen, wenn ich noch Kleingeld für die diversen Fähren behalten möchte. Der Kassierer war sehr genau und notierte sich auch die Prüfzahl von der Rückseite der Karte. Darf er das? Tja, wenn ich demnächst den Gegenwert eines brandneuen Porsches als Belastung auf meiner Abrechnunv finde, weiß ich wo ich nachfragen muss :-\


Dann ging es weiter und mir wurde klar, dass ich gegen 11Uhr in Arendal ankommen würde. Ich smste meinem Kontakt und sagte die Unterkunft ab, um lieber noch etwas näher Richtung Norden zu gelangen. Leider konnte mein Navi, genau wie gestern keine Route mehr ins nächste Dorf berechnen. Also schaltete ich wie Luke Skywalker in Star Wars 1 (JA, ich sagte/schrieb Teil 1 und nicht Episode IV!) meinen Zielcomputer aus und vertraute der Macht resp. den Schildern der Route 1. In dem Moment, als ich mich fragte, ob ich eigentlich nur bescheuert bin, fuhr Reidar neben mir herbei. Er war gerade vom Jakobsweg zurückgekommen und konnte, nachdem er sich mein Pensum der letzten Tage angehört hatte, meine Selbstkasteiung nur bestätigen: Ja, ich war bescheuert. Er lud mich in Arendal angekommen, zu einem Kaffee und Waffeln ein und wir hatten ein großartiges Gespräch. Er verstand alles was ich sagte und konnte auch seine Situation gut verstehen. Kunststück, er war Lehrer und hatte aus berufstechnisch ähnliche Herausforderungen wie ich als Sozialpädagoge. Ich besprach mit ihm genau die Fragen, die mich die letzten Tage bewegten. Warum dieser Trip und warum so? Warum alleine und warum nur in Eile? Wem will ich was beweisen? Auch er musste öfters raus und hatte glücklicherweise Frau und Kinder die das verstanden und ihn unterstützen. Und so war es z. B. nicht das erste Mal, dass er vom Camino zurück kam. Nach der Kaffeepause begleitete er mich noch zum Ortsausgang und zeigte mir den Weg nach Tvedestrand. Als Abschied gab er mir noch den Rat, mal Zeit zu haben, um die Blumen und die Schmetterlinge zu beobachten.
Wer das kitschig findet … geht mir am A vorbei! Unser Gespräch ließ mich für den Rest des Tages nachdenken. Ich hatte übrigens meinen MP3-Player im Café aufladen können … ich schaltete ihn nicht ein einziges Mal an!
In Gedanken über das Leben, das Universum und alles Andere vertieft, kam ich in Risør an. Mit dem festen Willen um Punkt 16Uhr für heute Schluss zu machen, war ea auch nicht tragisch, als ich die letzte potenzielle Fähre um 15 Minuten verpasst hatte. Doch leider war kein Campingplatz in der Nähe. Also reservierte die nette Frau vom Tourist Information mir ein B&B. Ich musste wieder unter Menschen. Doch was kam dann. Die zwei Mädels, die das B&B leiten, kommen erst morgen wieder, also sollte ich mir selbst mit einem Code Zugang verschaffen und von der Rezeption mir den Schlüssel nehmen. Als ich ankam, tat ich wie mir geheißen und fand das komplette Gebäude menschenleer vor!!! Niemand da! Was für ein Spiel spielt da jemand mit mir?! Da sehne ich mich nach ein bisschen Gesellschaft und dann bin ich in einem riesengroßen Gebäude so alleine, dass ich nackt durch die Flure laufen könnte …………………………………………………………………………………………………………
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……………………………………………………………………….uuuuuuuund erledigt! ;-)

Das ist mir doch die 85 Euro pro Nacht wert =-O
Ich beschloss zum Strand zu fahren und nach dem Planschen mir die Sonne auf den (kaum mehr vorhandenen) Bauch scheinen zu lassen. Danach füllte ich den selbigen wieder, indem ich mir eine Jumbopizza kaufte und im Speisesaal des B&Bs aß.
Glücklicherweise kam abends noch ein norwegisches Radreisepärchen, mit denen ich noch plaudern konnte.
Nach diesen Zeilen gehe ich in mein frisch bezogenes Bett und Morgen ist ein neuer Tag!

Tageskilometer: 115,04
Nettozeit: 6:12 Std.
Gedanke des Tages: 2 Wochen von allem weg zu sein, um sich den Kopf durchpusten zu lassen – reichen. Was ist diese Reise wert? Drücken die Kilometer oder die Zeit aus, ob die Reise gut oder schlecht war? “Wow, Mick! Du bist aber viel gefahren!” Das ist alles bedeutungslos. Es geht um Erfahrungen und um die Menschen, die du triffst. Die Anzahl der Kilometer oder der Höhenmeter ist schrott egal. Ich glaube ich hätte einen erfüllteren Trip gehabt, wenn ich immer wieder und wieder von Harburg nach Buxtehude gefahren wäre, wenn ich jeden Tag genug Zeit gehabt hätte, genug Atem zu haben fürs Nichtstun und fürs Kennenlernen von Leuten. Trotzdem werde ich diesen Trip durchziehen. Eine Wiederholung in dieser Form wird es aber mit Sicherheit nicht geben.

Mann, wenn dieser Seelenstriptease, an dessen ich die Welt teilnehmen lasse, nicht mal eine Spende für Amnesty Wert ist!!!

2 Kommentare

  1. Sh. Holmes sagt:

    Zitat Mick: Wieso so und nicht anders?…..Warum mache ich das alles? Wem will ich etwas beweisen? Fragen über Fragen und keine Antworten.

    Dear Mick,
    Never trust to general impressions, my boy, but concentrate yourself upon details.

    Yours respectfully
    Sherlock Holmes

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