Tag 17 – Von Egersund nach Spangereid

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Der erste Tag ohne Musik. Keine aufmunternde, musikalische Weguntermalung auf den Weg nach Flekkefjord. Das wird ne harte Kiste. Wenigstens spielte das Wetter mit, als ich mein Lager verließ. Es dauerte nicht lange und dann kamen sie erbarmungslos: Norwegische Serpentine! Rauf, runter, rauf, rauf, rauf und rrrrunter. Steigungen die mich schnell schweißgebadet kapitulieren ließen. Ich stieg ab und zerrte die gut 30 Kilo schwere Camilla mit pfeilschnellen 3 Km/h die Berge hoch … stundenlang!
Der Takt der con meiner Stirn laufenden Schweißperlen wurde in der Sonne immer schneller umd schneller und mein Mut verließ mich immer mehr. Nach zwei Stunden waren kaum 20 Km geschafft und dabei standen mir die krassesten Abschnitte noch bevor. Ah, jetzt Rage, Sevendust, Manson, Tool, Staind oder Korn hören, um den Motor auf Touren zu bringen. Aber nein, nur mein Hecheln und Keuchen und das Quitschen von Camilla waren die hörbare Untermalung dieses Tages.
Dann der erste Rastplatz mit Wasseranschluss, bei dem ich meine Trinkflaschen auffüllte. Auf dem Rastplatz standen diverse Wohnmobile, die wohl dort die Nacht verbracht hatten. Als ich schob losfahren wollte, öffnete sich die Tür eines Mobils und eine in Unterwäsche den Morgen und mich begrüßende Estländerin stand in eben selbiger. Sie nahm es mit Humor :-)


Die Raststätte befand sich auf dem Gipfel eines Serpentine-Berges. Von da ab ging es runter und das rasant! Meine Bremsen qualmten, als ich stellenweise mit 60-70 Klamotten hinunter saußte. Egal wie sehr ich beim Aufstieg litt, jetzt keine dummen Sachen machen und konzentriert und vor allem langsam heil unten ankommen. Gesagt getan …… und dann nochmal das Ganze! :-( (((
Aufstieg schieben – Abfahrt Herzkasper! Immer wieder und wieder! Dadurch ergaben sich aber auch immer wieder auf den diversen “Gipfeln” atemberaubende Ausblicke, bei denen sich immer wieder Busse und Autos auskotzten, um schnell nen Foto zu machen, auf den Radler mit dem Stoffhuhn zu zeigen, einzusteigen und weiter zum nächsten Fotomotiv zu sausen! Meine Fotos habe ich mir dafür wenigstens hart, sehr hart erarbeitet! Bei einer Abfahrt kam dann ein längerer Tunnel, der in den Fels gehauen war. Ich dachte, OK, der ist gleich vorbei – doch denkst’de! Plötzlich war es stockdunkel und man konnte gar nichts mehr sehen. Vor meiner Frontlampe war leider sehr ungünstig meine Lenkertasche montiert, also blitzschnell die Lampe abgenommen, angemacht und zwischen die Zähne gesteckt. Ging gottlob gut.
Doch es half nichts – ich hielt nicht einmal annähernd den Zeitplan ein. Ich verkürzte die Strecke um ca. 80 Km, um die Chance Varberg zu erreichen zu wahren.
Ich bin mittlerweile zu dem Entschluss gekommen, dass Stockholm keine Option mehr ist. Wenn ich Varberg erreichen sollte, also den offiziellen Teil des NSCR, kann ich dankbar sein! Es ging weiter, zum Teil schob und stand ich dann auch wieder einmal oft “im Wald” – physisch und psychisch!
Nach einer kurzen Ruhepause, als ich schon dachte, die Berge wären vorbei, überlegte ich, wo ich heute Nacht schlafen sollte. Am Meer wäre schön. Samt waschen und planschen vielleicht. Noch 14 Km bis nach Spangenreid … Ach komm, ist zwar schon kurz nach 18h, aber das schaffst du auch noch … Und dann waren sie wieder da: Die Berge! 14 Kilometer und satte 2 Stunden später erreichte ich kurz vor 21Uhr, (vollkommen am Ende, kaltschwitzend und zitternd) Spangenreid. Am Ufer eines Flusses und inmitten einer Baustelle campte ich und machte mir zu allererst eine Kraftbrühe damit ich nicht doch noch kollabiere.
Wenn ich an meine körperlichen Grenzen kommen wollte, dann habe ich das heute geschafft. An einem einzigen Tag absolvierte ich mehr als 7000 Höhenfüsse (bein wahrscheinlich zu blöd die Einstellung an meinem Garmin auf Höhenmeter umzustellen – zum Spass könnt ihr ja mal nachrechnen). Zum Vergleich: Wahrend der gesamten Reise kam ich bisher aif 20000ft und dann 7000 an einem Tag. Bam!

Tageskilometer: 143,99
Nettozeit: 9:46 Std. (!!!)
Gedanken des Tages: Aufgrund des Strommangels eine neue Kategorie. Ich dachte an viele Songs, von denen ich auch bergauf aus voller Kehle einige zum Besten gab. Von “99 bottles of beer on the wall”, über “Mr. Jones”, “Carvel”, “Only god knows why” bis zu “Disarm”.
Dann dachte ich an Interludes. Von “Kick back and think about everything”, über “Mr. Togoyashi , kommen sie bitte in die Bibliothek” bis zu “Soll ick jetz’ den Knaller zünden?”
Doch ein Gedanke kam immer wieder und wieder: Wieso mach ich das überhaupt????

2 Kommentare

  1. Madeleine sagt:

    WEIL DU DER BESTE BIST!!!!! Chackaaaa! Hab gänsehaut!!!! Mein gott! Welch krasse sache…. Mit fehlen die worte:-*

  2. [...] 16: Von Skudeneshavn bis Egersund Tag 17: Von Egersund nach Spangereid Tag 18: Von Spangenreid bis nach Lillesand Tag 19: Von Lillesand bis nach Risør Tag 20: Von Risør [...]

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