Tag 16 – Von Skudeneshavn bis Egersund

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Natürlich habe ich nicht um 5Uhr die Höhe gekriegt. So bin ich bei bestem Wetter etwas durch die Hafenstadt gefahren, hab mich beim nächsten Bäcker mit Kohlenhydrate eingedeckt und war im Park. Beim Fähranleger quatschte ich dann mit einem Norweger, der mich aufgrund meiner Amnestyfahne anschnackte. Dann kam auch schon die Fähre nach Randaberg. Ich bin wohl einer der letzten NorthSeaCycler, denn auch diese Fährverbindung wird Anfang nächsten Jahres eingestellt. So erzählten es mir jedenfalls sowohl der erwähnte morgendliche Gesprächspartner, als auch gestern ein älterer Mann mit dem ich sprach.
Wie auch immer, wieder festen Boden unter den Füssen ging es ab nach Stavanger. Dort angekommen war auch gleich wieder Highlife in Tüten: Hafenfest, samt tutender Schiffe, Regatter, Schabernack für Groß und Klein und Altherren-Seemannschor … naja und einer Menge Touristen! Dort wurde plötzlich ich selbst zur Attraktion, als einige der knipsenden Leute meine Flagge sahen…”Oh, this guy is from Amnesty International!”


Ich dachte erst, der erst freundliche Mann, wäre eine Ausnahme, doch dann fotografierten zwei weitere Herren mich und Camilla … samt freundlichen Posing selbstverständlich ;-)
Doch wie schon einmal erwähnt, große Städte sind mir als Radreisender zuwider, also raus. Und zack geschah dass, was mir so häufig bei Städten passiert: Hatte mich mal wieder total verfahren.
Als ich dann wieder auf Kurs war, kam ich aber nur schwer in Tritt. Die Beine waren schwer ich wollten nicht mehr. Doch ein bisschen wollte ich noch. Schweren Herzens passierte ich einen Strandcampingplatz, inmitten die Strecke durchging. Kilometerstand 80… Oh, Schei* die Wand an! Ich hab durch die Transfertage nach Bergen schon soviel Zeit verloren – also weiter.
Danach wurde ich mit großartigen Eindrücken belohnt: Die Strecke fuhr direkt durch eine Art Mini-Nationalpark: Freilaufende Pferde (die ich aufgrund einer Allergie Luft anhaltend passierte), immense Felsformationen, wilde Büsche, viele Seen, ein unglaubliches Panorama auf den Gipfeln … es war wie im wilden (norwegischen) Westen. Dazu kam noch eine alte nicht mehr benutzte Eisenbahngleise und der langsam beginnende Sonnenuntergang. Für einen kurzen Moment verwandelte ich mich in “Mick, den einsamen Vagabunden” und Camilla wurde ein mächtiges Streitross, mit der ich durch die Prärie gallopierte. Naja, bis mich mein Gaul abwarf. Es kam zu meinem ersten Sturz der Reise. Es ging immer wieder auf und ab. Krasse, kaum zu schaffene Anstiege, an dehnen ich Camilla auf rutschigen Kieswegen auf deren Gipfel zerrte und ziemlich dabei ins schwitzen kam. Aber auch krasse Abfahrten, bei der man soviel Gas geben wollte, damit man nicht bei der Talsohle mit schieben anfangen musste, sondern noch ein bisschen Schwung holen wollte. Tja, nur Kies halt, nä! Ich rutschte in einer Kurve weg, konnte aber schlimmeres verhindern. Ross und Reiter … ähm, Tschuldigung: Rad und Fahrer blieben unverletzt.
Hier zu Zelten und vielleicht ein erfrischendes Bad in einer der vielen Seen zu nehmen, wäre bestimmt ein Höhepunkt meiner Reise gewesen, aber überall waren die forboden-Schilder. Es ging weiter.
Bei einem Supermarkt genehmigte ich mir zwei Orangen und wollte meinen MP3 Player laden … und dann der Supergau! Mein Gerät, mit dem ich über meinen Dynamo Strom erzeugen kann war kaputt! Er ließ sich zwar weiterhin aufladen, nur entladen ging nicht mehr. Damit war meine Unabhängigkeit für mein Handy und meinen MP3 Player Strom zu erzeugen dahin. F*ck!
Ich radelte weiter und fand kurz nach Egersund einen Rastplatz, bei dem ich nächtigte.
Was für ein Tag.
Randnotiz: Ich merke immer mehr, dass mein MTB-HaBe-Trikot anfängt zu flattern. Hoffentlich gehen mir die Fettreserven bis zu den Fjorden nicht aus ;-)

Tageskilometer: 122,34
Nettozeit: 7:16 Std.
Song des Tages
: Tja, das wird wohl erst einmal der Letzte sein… Bis der Mp3 Player leer war, war heute Joseph Arthur Tag. Alle Alben auf shuffle. Da eine Song rauszupicken … vielleicht auch noch mit Bezug auf die Reise … Mmh, “Exhausted” vielleicht oder doch “Marina” (kommt wenigstens ein Fahrrad drin vor). Ich glaube aber ich nehme einen an Anlehnung an meine Fahrten entlang der Halb-Autobahn E39 und an die 40ig Tonner die in 80cm-Abstand an mir mit 90 Km/h an mir vorbei düsen “Open Eyes on my back” ;-)

Ein Kommentar

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