Tag 15 – Von Peissener Pohl bis nach HAUSE

Aufbruch in den letzten Reisetag

Nach einer unruhigen Nacht wachte ich auf … wieder und wieder! Ich war schon um kurz nach 6 Uhr wach und zwang mich selbst dazu, nicht “die Zelte abzubrechen” und schon loszufahren. Es war noch zu nebelig und dunkel. So las ich noch etwas, machte mir Frühstück und packte meine Sachen zusammen. Die Schmerzen in meinem Knie waren immer noch da. Ich musste versuchen, schnell eine Apotheke zu finden.Dann sattelte ich Camilla und war auf dem Weg zu meiner letzten Etappe – ich war auf dem Weg nach Hause.

Ich fand eine Apotheke. Der Chefapotheker beriet mich. Als ich ihm erzählte, woher ich komme und was für eine Radreise ich mache, war er hellauf begeistert. Er war selber Radreisender und gab mir eine entzündungshemmende Schmerzsalbe, die er auch immer mit dabei hätte. Als seine Kollegin nicht hinguckte, gab er mir noch schnell 2 Stifte Hirschtalg mit. – damit ich beim Willkommens-Essen noch ruhig auf meinem Stuhl sitzen kann ;-)

Es beruhigte mich, dass ich nun hin und wieder einige Fahrradschilder sah, die die Richtung nach Hamburg anzeigten. Und mehr und mehr erkannte ich vertraute Regionen. Nach Itzehoe und Elmshorn erreichte ich Wedel. Es war unglaublich! Ich war fast wieder zuhause. Nachdem ich auf mir bekannten Straßen fuhr, waren das schmerzende Knie … und das schmerzende Achterdeck vergessen. Es war eine einzige Triumpfahrt.

Schließlich stand ich nach der Fahrt durch Rissen, Othmarschen und Altona wieder aufm Kiez! Danach fuhr ich die Landungbrücken entlang. Es war ein komisches Gefühl: Irgendwie war alles so vertraut und irgendwie auch wieder ganz neu. Ab durch den alten Elbtunnel und dann zu meinen Eltern nach Wilhelmsburg. Dort angekommen wurde ich geherzt und machte gleich klar, was ich machen wollte: Groß Essen gehen!

Doch zuvor fuhr ich die letzten Kilometer dorthin, wo 15 Tage zuvor meine Reise begonnen hatte – vor meine eigene Haustür. Ich hatte es geschafft! Nach 15 Tagen, 1597,2 gefahrenen Kilometer, 5 verlorenen Kilo, jeder Menge Erfahrungen und tollen Menschen war ich wieder zurück in Harburg.

Am Abend zwang ich meine Eltern, mich zum Essen einzuladen und nachdem ich bereits pappsatt war, fehlte mir noch ein Nachtisch, mit dem ich meine Reise auch stilecht beenden konnte: einen Coupe Danmark!

Es waren zwar nur 15 Tage – aber nach diesen ganzen Gedanken- und Gefühlsachterbahnfahrten, fühlten die sich viel, viel länger an. Am 22. Juli 2011 machte ich kurz nach einem entscheidenden Einschnitt in meinem Leben den ersten Pedaltritt zu einer Reise, von der ich nicht wusste, was sie mir bringen wird. War es Abenteuerlust oder Flucht? Nach 2 Tagen wollte ich (psychisch vollkommen am Ende) aufgeben und mir das nächstbeste Loch suchen. Doch dann wurde neben dem Wetter auch meine Stimmung besser. Ich hatte bei durchschnittlich 7 Stunden (netto) auf dem Rad viel Zeit zum Nachdenken – nicht nur über alle Dinge die falsch gelaufen waren, sondern auch über alle Dinge, die noch vor mir liegen. Wenn Joschka Fischer auf einem langen Lauf zu sich selbst war, so hatte ich bei einer langen Radfahrt mir wieder ein Gleichgewicht im Leben erstrampelt.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und war total verwirrt: Wie jetzt? Kein Zelt abbauen? Nicht das Fahrrad packen und losfahren? Es dauerte noch ein paar Tage, bis der Alltagstrott mich wieder eingeholt hatte.

Aber eines stand fest: 2012 werde ich wieder losfahren!

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