Tag 14 – Von Dover über die Dunkerquer Autobahn bis nach Brügge

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Wann sollte ich die, alle 2 Stunden fahrende, Fähre nehmen? Um 4,6,8 oder 10 Uhr. Die Fahrzeit sollte 2 Stunden betragen. Dazu käme aber ja noch die Extra MEZ Stunde drauf. Könnte ich es bis Brügge schaffen, wenn ich erst um 13Uhr starten sollte. Ich ließ das Schicksal entscheiden und schaute wann ich aufwache. Nach dem Ruhetag war klar, dass ich total fit sein würde. Hatte ich doch schließlich nichts gemacht, als mich morgens beim Bäcker eingedeckt, die (britsche) Times gelesen, Sodoku gespielt, Buch weiter gelesen und mich defacto beim Staff vom Kingsdown Campingsite eingemietet und mit denen den halben Tag geklönschnackt. So wachte ich also rechtzeitig zum atemberaubenden Sonnenaufgang auf, machte alles fertig und mich auf dem Weg zum Dock. Ich hatte mich entschieden die Fähre um 8Uhr zu nehmen. Wäre doch machbar, wenn ich um 6Uhr vom 12Km entfernten Campingplatz starte, oder? Ich kam gut durch und fuhr rechtzeitig zum Dock, um von einem Sicherheitsmann zu erfahren, dass ich am Cruise Terminal wäre. Ich sollte mich also für eine Kreuzfahrt entscheiden oder auf die andere Seite des Hafens fahren. Es war 7:10 als ich beim richtigen Dock ankam und mein Ticket bezahlte. Jetzt war ja alles safe, also nochmal die letzten Pfund für ein Brötchen verballern. Der Brötchenshop-Mann meinte es so gut mit mir, dass er das Brötchen auch noch warm machte…. 5Minuten lang! OK, jetzt ab auf aufs Schiff. Was ich nicht wusste, war, dass ich vorher noch durch den halben Hafen fahren musste. Endlich beim Gate angekommen, sprach man mich auf meine Boardingcard an und ich zeigte meine Rechnung. “Das ist… eine Rechnung! Die Boardingcard erhalten Sie im anderen Gebäude!” PASSIERSCHEIN A38, dachte ich nur als ich voller Stress ins Gebäude ging, wo inzwischen eine Rennsportgruppe aus bestimmt 40 Leuten am Schalter stand. Als der Rhythmus meines Herzschlag mit dem Flügelschlag eines Kolibris in Einklang gesetzt wurde, nahm mich eine Frau an die Seite und nahm mich dran. Mit der Boardingcard raste so schnell wieder zurück zum Gate, dass man dem Roadrunner vergleichsweise im Sprint die Schuhe zubinden könnte. Doch das Boarding war schon voll im Gange und ich wurde zurück gepfiffen und durfte nach weiteren 20Minuten als absolut letzter auf Lkw Deck fahren. Puhhhh!
Die Fahrt war entspannt. Ich unterhielt mich noch sehr gut mit einem Motorradfahrer aus dem Schwarzwald über Touren, Technik und Herausforderungen. Und nach 2 Stunden (+ einer Zeitverschiebung) machte ich mich mit Camilla bereit, zwischen den ganzen 40Tonnern die ersten Pedaltritte wieder auf europäischen Festland zu tun. Doch zunächst war wieder Stress angesagt, denn der Hafen war ganz genau genommen über 10Km von Dunkerque entfernt und demnach nicht auf meinen Karten in meinem Garmin. Wo sollte ich jetzt lang? Alle Straßenausfahrten führten alle vom Hafen aus auf die Autobahnen! Also fuhr ich erstmal durch den Hafen von Dock zu Dock und in östlicher Richtung, bis i h schließlich auf die D940 kam. Als ich durch Loon Place fuhr, atmete ich erst einmal auf, denn dort waren Fahrradspuren. Dann war Ich auch wieder im Kartenbeteich und erstelle meine Route nach Brügge, was einen alten französischen Radfahrer nicht davon abhielt, mir mit Händen, Füßen und redend wie ein Wasserfall mir den kürzesten Weg bis zur Belgischen Grenze zu erklären. Hatte ich schon erwähnt, dass ich bis auf die Frage bzgl. körperlicher Nähe, keinen französischen Satz hinbekomme?! Ich bedankte mich und schon nach 20 weiteren Km war ich in Vlaanderen. Spätestens hier erlebte ich einen (positiven) Kulturschock: Nicht nur, dass hier alles im Gegensatz zu GB so schön flach ist, nein: Die Nationalrouten 12,13 und 53 sind wahre Bike-Highways!!! Von Jung bis Alt war alles auf den Rädern und die Strecke entlang eines Kanals führte direkt nach Brügge. Und das rasant, denn es ist hier gar kein Problem 25 Km/h zu fahren… im Schnitt! In England waren es durch die Berge und den Untergrund gut und gerne 10Km/h weniger! Sogar ich nach affenartigen 5 Stunden und 120 Km in Brügge. Zwar machte man mir im Tourist Information Büro keine Hoffnungen, aber fuhr trotzdem zum einzigen Campingplatz in Brügge und als man sah, dass ich mit dem Rad unterwegs war, sagte man mir: Für Fahrradfahren haben wir immer Plätze. :-)
Noch gerade meinen Kumpel ChrisB angerufen, der jetzt in Brüssel ist. Morgen kommt er hier her und ab Samstag radeln wir die letzten 2 Wochen von Bike4Rights zusammen! :-)

Gedanke des Tages:
Belgien: Das gelobte Veloland!

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