Tag 13 – Von Kelstrup bis Krusa

Terror-Muh-Kühe

Gestern war es ein etwas unruhiger Start in die Nacht. Zwar schlief ich zunächst sehr schnell ein, aber dafür wachte ich auch ziemlich schnell wieder auf. Die Uhr zeigte ungefähr 24Uhr als ein entferntes Hundebellen zu vernehmen war – ununterbrochen für ca. 2 Stunden! Kein Ahnung was ihn so aufbrachte – vielleicht ja ich?!

Ich hörte noch etwas Hörbuch, ach Harald Lesch, wenn ich dich nicht hätte! ;-) Also Kopfhörer rein – Lautstärke hoch und der unentspannte Hund ward nicht mehr gehört.

Nachdem Harald zuende referiert hatte, war auch der Hund nicht mehr zu hören. Ich schlief tief und fest bis zum nächsten Morgen. Doch die Nacht endete mehr als nur abrupt.

Mein Zeltplatz war im Garten von Kirsten und Krestan, welcher sich ca. 4 Meter neben einer Weide befand. Wohl direkt am Zaun stand eine Terror-Kuh, die am besagten Morgen den Job des Hahns übernahm. Plötzlich MUHTE sie im Takt – wieder und wieder und zwar in einer Lautstärke, dass ich von der einen auf die andere Minute samt Schlafsack kerzengerade in meinem Zelt stand und dachte, dass ich mit dem Kopf durch das Dach breche.

Ich war wach und genoss, nachdem mein Herzrhythmus nicht mehr mit dem Flügelschlag eines Kolibris verwechselt werden konnte, den strahlend blauen Himmel. Es würde wieder heiß werden!

Als ich mein Zelt abbaute, kam Kirsten noch einmal vorbei. Sie versuchte gar nicht mehr mit mir englisch zu reden, sondern redete wie ein Wasserfall – auf dänisch! Ich versuchte mit englisch und deutsch zu erwidern. Es entstand ein lebhaftes Gespräch, indem ich ihr von meiner Reise und sie mir von ehemaligen Gästen erzählte. Dann verabschiedete sie sich, weil sie mit ihrem Mann noch nach Kolding fahren wollte, um Alkohol zu kaufen, damit sie sich heute Abend einen zwitschern können.

… jedenfalls meine ich das verstanden zu haben ;-)

Ich war wieder auf der Straße, doch … auf welcher eigentlich? Ich hatte erste einmal Schwierigkeiten, die Route 170 zu finden. Diese würde mich bis an die deutsche Grenze führen. Doch mit Glück und Schweiß gelang es mir die Straße zu finden. Von jetzt an könnte ich gar nicht mehr falsch fahren :-)

Die Fahrt an sich war unspektakulär, dafür aber sehr hügelig und mit jeder Menge Gegenwind! Irgendwann, nachdem ich mir erneut nach der Hälfte der Strecke einen Lunch genehmigte, erreicht ich Kruså. Dort dezimierte ich zunächst meine verbliebenen Kronen durch den Kauf von Süßigkeiten, Pesto und Zuckerwasser.

Danach versuchte ich meinen letzten “overnatning i det fri”-Naturzeltplatz zu finden. Das stellte sich als ganz schön schwierig heraus. Plötzlich stand ich wieder vor dem Ortsschild von Kruså – ich war im Kreis gefahren.

Beim zweiten Versuch erging es mir aber auch nicht unbedingt besser. Ich stand buchstäblich im Wald und wusste nicht mehr wohin. Nachdem ich mein Fahrrad weitergeschoben hatte, bot sich mir plötzlich ein beunruhigendes Bild: Ich stand in einem Waldstück, der flankiert von 4 Hochständen war. In der Mitte dieses Feldes war ein kleines umzäuntes Gebiet. Kopfkino von der dänischen Variante des spanischen Stierkampfs flimmerten mir im Kopf herum. Nur noch ein Gedanke: Schnell weg da!

Endlich fand ich den sehr schlichten Zeltplatz. Er bestand nur aus einer Lagerfeuerstelle. Ich baute schnell mein Zelt auf, stellte mich unter meine wassersparende Dusche und sammelte etwas Holz, um mir anschließend ein kleines Feuerchen zu machen.

Auf dem Weg in den dichten Wald, wo ich meine Notdurft verrichten konnte (von mir liebevoll “Kackbaum” genannt), fiel mit ein kleiner Glasbecher auf, indem sich ein kurioser Inhalt befand: Ein Brief in dänischer Sprache, eine Blume, ein Hippie-VW-Käfer und Wunderkerzen. Ich fotografierte den Brief. Da ich des dänischen nicht so mächtig bin, hoffte ich ihn vielleicht irgendwann zu übersetzten. Mich düngt nur, dass ich für die Intention des Briefes leider, leider viel zu alleine war. Deswegen verschwendet ich keine Wunderkerzen, schrieb ein kleine Notiz in das “Logbuch”, verschloss alles wieder und stelle es dorthin zurück, wo ich alles gefunden hatte (damit ein anderer Kerl die Wunderkerzen anzünden kann, wenn er die Liebe zu seiner Geliebten zelebriert ;-) .

Zuhause! Dieser Ort rückt immer näher. Ich freue mich auf diverse Sachen: Ein Bad, Wasser – wann immer man es braucht, ein weiches Bett. Auf andere Dinge habe ich so gar keine Lust, ja vor einigen sogar Angst. Das Herumfahren und die damit verbundene Tagesstruktur ist so schön einfach und simpel. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes NATÜRLICH und ein Teil von mir will weiter – viel weiter…

Noch wenige Kilometer bis Tyskland.

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