Tag 13 – Vom Flughafen bis zum Campingplatz in Bergen

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Kurz vor Mitternacht kam der Moment, den ich befürchtet hatte: Nachdem der Betrieb zuende war, kam der Flughafenleiter auf dem Nachhauseweg auf mich zu. Doch er sagte mir nur, dass ich in meinem Bereich bleiben und meine Sachen nicht allein lassen sollte. Bevor ich mich im Wartebereich hinlegen konnte, sortierte ich noch mein Gepäck. Einen nochmaligen finanziellen Faupax sollte mir nicht noch einmal passieren. Rückblende: Bei meinem Flug von Hamburg bis Edinburgh hatte ich zwei Gepäcktaschen + Fahrrad aufgeben und eine Gepäcktaschen und die Lenkertaschen als Handgepäck mit in den Flieger genommen. Gepäckkosten: 100 Euro (1 Tasche umsonst – Fahrrad: 50Euro & Extratasche: 50Euro)!


So packte ich meine Lenkertasche in eine Seitentasche und füllte diese und die andere mit Schlafsack und Kleidung. Zelt, Werkzeug, Nahrungsmittel und alles andere Böse kam in meine große Tasche, die ich aufgab. Voila! Ich musste nur die 45£ fürs Rad bezahlen. Mit den 90£ für den Flug und die 40£ für die Fähre ist der Flug im Übrigen gut 100£ billiger als der Direktflug von den Shetlands … trotzdem verlor ich 2-3 Tage. Aber egal, jetzt sollte es losgehen!
In der Nacht traf ich noch 2 deutsche Landersmänner, die sich von ihren letzten Pfundnoten gut hatten volllaufen lassen. Der eine äußerte dann auch noch seine totale Unverständnis, Spenden für Amnesty zu sammeln, wenn man davon keinen finanziellen Vorteil bekommen würde. Tja, ich bin halt so,…..SPACKEN!
Nach drei Stunden Schlaf ging dann der Betrieb auf dem Flughafen um 5 wieder los. Ich machte mich fertig und zog das letzte frische T-Shirt raus und kaufte mir per Kreditkarte noch ein Deo, damit die Person neben mir nicht bis Bergen die Luft anhalten muss. Taufrisch checkte ich ein und wenig später ging es in eine Propellermaschine….Puh, ruhig bleiben, Tiger!
Dann ging es los und kaum waren wir in der Luft schlief ich ein. Als ich aufwachte, sah ich schon bei blauen Himmel die kleinen Inselchen vor Bergen aus dem Fenster. Als ich ausstieg, wollte ich schon in alter Papst Johannes Paul II.-Manier den Boden küssen, aber das ließ ich lieber. Lieber nahm ich Camilla (fast) vollkommen intakt in Empfang baute alles wieder zusammen und packte die Taschen wieder so, wie ich es gewohnt war und ab ging die Luzie nach Bergen.
Der erste Gedanke auf der Straße war: Verdammt, diese Verrückten fahren auf der falschen Straßenseite! Halt stopp, dass bin ja ich! Rrrrrrechtsverkehr war wieder angesagt. So radelte ich ins Zentrum Bergens um mir beim nächsten Outdoorshop eine neue Gaskartusche zu holen. Danach kam leider ein kleiner Rückschlag. Mein Couchsurfing-Kontakt hatte leider abgesagt. Damit musste ich mir eine andere Übernachtungsmöglichkeit suchen. Zuvor schlenderte ich über den Fischmarkt. Doch das war mir alles mit dem Rad viel zu wuselig. Erstmal hab ich schon einen Fischmarkt, für meinen kleinen Teller Lachs mit halbdurchen Kartoffeln und Gemüse plus Fanta bezahlte ich ma eben 14 Euro, dann war die Stadt voll mit Touristen und ein Großteil davon waren Deutsche. Als dann noch jeder zweite Stand frisches Walfleisch anbot (welches ganz bestimmt von Tieren stammt, die nur aufgrund rein wissenschaftlicher Forschung harpuniert wurden), stand mein Entschluss fest: Ich muss hier raus!
So radelte ich wieder zurück zu einem Campingplatz 10Km südlich des Stadtzentrums. Dort angekommen, stellte ich mein Zelt in einem schlechteren Hinterhof auf. Das Gute war, ich hatte illustere Gesellschaft. Bastian, Bernd und David campten genau neben mir und wir schnackten den halben Abend über unsere Reisen, Fussballzitate und einheimische Braukunst. Dann noch ein paar Polinnen beim Wäschewaschen kennengelernt, die genau aus dem selben Ort kamen, wie meine Ex. Wir unterhielten uns angeregt über oberschlesische Küche und Weihnachten. Dann viel ich fertig in den Schlafsack … nicht ohne die ersten norwegischen Regentropfen noch mitzubekommen, die auf mein Zeltdach prasselten :’(

Tageskilometer: 34,82
Nettozeit: 2:22 Std.
Song des Tages: Da ich seit dem Flug mit einem komischen Klacken bei jedem Tritt zu kämpfen hatte, ich glaubte, dass das die bösen Bodencrew war und ich auf der Fahrt nach Bergen -Ill Communication- hörte: “Sabotage” von den Beastie Boys

Ein Kommentar

  1. Madeleine sagt:

    Mick! Du erlebst echt Sachen. Meine Güte :-) Ich denke immer an Dich – auch bei unserem gestrigen Betriebsausflug. Du hast gefehlt :-*

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