Tag 11 – Von Grenaa bis Søvind

Lager1

Ich wachte schon früh morgens auf. Die Uhr zeigte erst 7:48Uhr. Nachdem ich mich etwas frisch gemacht hatte, war auch Jakob wach. Wir gingen gemeinsam zum Bäcker, doch der erhoffte Hefe-Fachmann entpuppte sich leider als alter, etwas verwirrter Mann, der nur einen besseren Kiosk besaß. Gott sei dank war ich mit einem Jakob da, der mit ihm dänisch sprechen konnte.

Wir kauften uns Brötchen und jeweils unterschiedliche Aufstriche und Getränke, die wir dann brüderlich teilten.

Am Ende machten wir uns im Lager das beste Frühstück meiner Reise. Dann packten wir zusammen, wobei Jakob immer noch eine Kajak-Geschichte zum Besten gab! Er ist einmal in ein Segelboot-Rennen hineinmanövriert, wobei er fast mit diversen Booten kollidiert wäre. Aber es ging noch einmal gut.

Nachdem wir beide fertig waren, gab mir Jakob noch seinen letzten Kakao und ich ihm die Hälfte meines Jiao Gu Lan-Tees. Dann half ich ihn noch sein voll bepacktes Kajak zur Straße zu tragen bzw. zu schieben. Mit einem festen Händedruck verabschiedeten wir uns und auch für mich ging es dann wieder los!

Zuerst führte mich meine Reise erneut über die Landstraße, doch dann kam Arhus! Die erste Großstadt, die diesen Namen wirklich verdient. Nettes Uni-Viertel, stinkender Hafen, viele Baustellen, viele Radfahrer und eine atemberaubende Promenade. Ich machte kurz Pause und genoss den Blick, bevor es wieder los ging auf die Cycle Route 5. Dies stellte natürlich erneut wieder nicht den direkten Weg dar. So radelte ich Pedal um Pedal. Es war alles ganz schön beschwerlich. Zu allem Überfluss flog mir noch die frisch gekauften Vollkornspagetti vom Rad und -bäm- explodierte so, dass wenn der nächste warme Regen kommt, es auf den Straßen von Arhus umsonst Nudeln geben wird! Natürlich mit der zarten, bitteren Soße aus Straßendreck! Meine ebenfalls kurz vorher gekaufte Tomatensoße blieb glücklicherweise heil und vermischte sich mit den Nudeln, die ich retten konnte bei meiner nächsten Rast!

Frisch gestärkt vom Mittagessen ging es dann weiter auf meiner etwas beschwerlichen Reise zurück nach Hause. Ich verfuhr mich ziemlich oft und musste noch öfter anhalten, um in meinen Karten den richtigen Weg zu finden. Doch immer wenn ich kurz hielt, war immer eine freundliche Dänin oder ein freundlicher Däne zur Stelle, die bzw. der mich fragte, ob ich „LOST“ wäre.

Teilweise war das wirklich beängstigend. Ich konnte nirgendwo kurz anhalten und auf die Karte gucken, ohne dass nicht sofort Passanten oder Radfahrer anhielten und fragten, ob sie mir helfen könnten. Selbst 2 Autofahrer taten dies, wobei einer damit den ganzen Verkehr aufhielt. Aber selbst als die Hinterautos hupten, hatte der die Ruhe weg und ist erst weitergefahren, als ich ihn überzeugen konnte, dass ich jetzt wüsste, wie ich zu fahren hätte.

Schließlich erreichte ich das Shelter in Søvind. Es war erneut ein Holzhüttchen mit großer Feuerstelle, Plumsklo und Wasserhahn. Nachdem ich mich gewaschen, mir etwas zu essen gemacht und Tee gekocht hatte, bereitete ich mich auf einen gemütlichen Abend mit Tagebuch schreiben und Buch lesen vor. Doch plötzlich kamen zwei relativ große Schäferhunde in meine Richtung gelaufen. Doch sie beschnupperten mich nur kurz, um danach miteinander zu spielen. Dann fuhr ein Auto vor und ein älteres Ehepaar stieg aus. Von weiten merkte man schon, dass sie sich stritten.

Etwas herumdruckstend ging der Mann auf mich zu. Bei mir angekommen, fragte dieser sehr schüchtern, ob es in Ordnung sei, wenn sie auch hier die Nacht verbringen dürften. Ich bejahte kräftig und er ging wieder weg, um das Auto zu entladen und das Zelt aufzubauen. Dennoch war die Laune der Frau nicht gerade herzallerliebst. Sie schimpfte und schimpfte und der Mann erwiderte auch schon gar nicht mehr, sondern ließ sie einfach meckern. Na, das kann ja ein Abend werden!

Irgendwann kam er dann auf mich zu. Ich saß mittlerweile an meinem lodernden Lagerfeuer und schrieb in meinem Tagebuch. Er sagte, dass er und seine Frau aus Polen kommen und wir kamen ins Gespräch.

Nachdem ich ihm erzählte, was ich hier mache, war er begeistert. Er erzählte davon, wie er als junger Mann auch einmal sein Land, Polen, mit dem Fahrrad umrundete … bis es ihm geklaut wurde. Er sprach von Freiheit und Unabhängigkeit. Er schwelgte so euphorisch in seinen Erinnerungen, dass seine Augen anfingen zu leuchten. Während seine Frau im Hintergrund schimpfte, verfinsterten sich plötzlich seine Gesichtszüge und er sagte nur: “Nun, jetzt bin ich verheiratet!”

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Da geht er emotional voll ab und ist wieder der 20jährige, der auf einer Radtour sein Land bereiste und kennenlernte und plötzlich wird er mit der niederschmetternden und harten Realität seiner Ehe konfrontiert. :-)

Bevor seine Frau ihn an seinen Ohren von mir weg zerrte, ging er lieber aus freien Stücken zurück, baute das Zelt auf und bereitete mit seiner Frau das Abendessen vor.

Es gab zwei Tische an diesem Lagerplatz. An einem saß ich und an dem anderen saßen meine polnischen Freunde. Uns trennte das Lagerfeuer, was inzwischen in Anbetracht der aufziehenden Dunkelheit nicht nur Wärme sondern auch Licht gab.

Dann kam der polnische “Gefangener der Ehe” auf mich zu. Was kommt jetzt? Bittet er um Asyl, weil seine Frau ihn aus dem Zelt geschmissen hatte?

“Entschuldigung – magst du … Kekse?”

-”Äh, ja!”

“”Dann … möchtest du … ein paar polnische Kekse … mit uns essen?”

-”Das würde ich sehr gerne, mein Freund!”

Er führte mich zu dem Tisch – was sag ich: Zur festlich gedeckten Tafel!!! Seine Frau wartete schon, zwar mir gegenüber etwas unsicher, aber dann doch lächelnd und freundlich. Es war unglaublich! Ich hatte mein eigenes Gedeck, bestehend aus Plastikteller und Becher. Überall standen Kerzen und nicht zu vergessen die versprochenen polnischen Kekse!

Nachdem das Eis gebrochen war, verbrachten wir den ganzen Abend zusammen. Das meine Ex-Freundin in Polen geboren wurde, kam mir hier zugute. So punktete ich etwa mit den letzten Brocken Polnisch, die ich noch konnte. Weiterhin unterhielten wir uns über ihre Geschichtsliebe (besonders Wikinger), seine Pianofähigkeiten, den Sohn, der in Deutschland arbeitet, polnische Weihnachten und natürlich Essen! Unter anderem diskutierten wir die besten Pierogi-Füllungen (Pah! Welche Frage – Sauerkraut und Pilze natürlich! :-)

Dann erzählten sie, warum sie Dänemark bereisen. Ihre Lieblingskrimiserie (Kommissar “Sowieso” – kannte ich nicht) spielte in Dänemark. Nun machten sie schon seit 20 Tagen eine Rundreise, um jeden Tatort einmal zu besichtigen -WIE SÜSS IST DAS DENN, BIDDE!!!!

Neben den Hunden, die sogar ihren eigenen Blog haben, sprachen wir auch noch über ihre anderen Lieblingsserien. “Kommissar Rex” war natürlich dabei und diese andere Kindersendung, die sie früher immer gerne gesehen hatte. Sie wusste aber nicht wie diese auf deutsch hieß und summte dann die Melodie. Wie aus der Pistole geschossen sagte: Das Sandmännchen!

Am Ende, als das Feuer aus und es stockdunkel wurde, verrieten die Zwei mir noch ihre Namen!

Vielen Dank HANNA und ALEX für den besten Abend meiner Reise!!!

:-) :-) :-)

… nur zu blöd, dass ich (zum Teil aus Höflichkeit – zum Teil weil ich ihre Gesellschaft so genoss) keine Fotos von den Beiden gemacht habe :-(

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