Tag 11 – Von Colchester bis Rochester

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Bis auf einige neugierige Hunde, verlief die Nacht ruhig, aber heute stand eine Dusche an – das nahm ich mir vor, als ich um halb 7 alles fertig machte und mich mit meinem lädierten Achterdeck in den Sattel schwang. Es ging wieder der Route 1 entlang, die schon bald auf die 13 wechseln sollte. Ziel sollte es sein möglichst nahe an Dover heranzukommen. Gleichbedeutend mit meiner Fähre nach Dunkerque – zurück auf den heimischen Kontinent. :-)
Es war wieder ein sonniger Morgen und ich fuhr immer wieder durch kleinere Ortschaften vorbei. Dann kam mir eine Gruppe von ca. 10 (wohlentwickelten) Mädels entgegen. ALLE (bis auf eine) in WEIßEN Oberteilen!!! Wo ist dieser verdammte Schauer, wenn man ihn ein einziges, nur ein einziges Mal braucht?!?!?!?
11bAber ich schweife ab… Ich wollte die Route mit einer Fähre in Tilbury abkürzen, wusste aber nicht so recht, ob das möglich war, weil mein Garmin Navi mich partout nicht dort hin bringen wollte. Ständig wollte er mich über einen ca. 20Km längeren Weg führen. Ich würde beruhigt, als mir zwei Radfahrer entgegen kamen, die auch die Fähre genommen hatten. Sie gaben mir sogar noch ein gültiges Ticket für die Fähre. Da das One Way Ticket wohl 50Pence teurer wäre als das Both Way, kauften sie aus trotz das letzter und ich profitierte nun davon. :-)
11cCa. 45min später erreichte ich Tilbury und den Fähranleger. Während ich auf die Fähre wartete, schnackte ich noch mit drei älteren Männern über die Amnesty Aktion und die Reise im allgemeinen. Als mich der bärtige Mann nach meinem Beruf fragte und ich “social worker” antwortete, schüttelte der den Kopf und sagte: “poor motherfu*…” Als wir weiter redeten, verstand ich auch das der Mann mit dem Rauschebart wohl auch die richtige “Christiane F.” vom Bahnhof Zoo kennen würde. Was sich hier für eine spannende Geschichte verstecken könnte, fand ich leider nicht mehr heraus, da die Fähre kam, die mich dann auch gleich nach Gravesend brachte. Und jetzt finde es an richtig zu regnen……. gutaussehende Frauen in weißen Shirts waren nicht zu sehen :-(
11Naja, ich also die Regenklamotten raus und ab ging es. Jedoch wurde die Reisegeschwindigkeit merklich langsamer, da es nicht nur windig, sondern auch wieder sehr, sehr steil wurde. Dann erreichte ich bei mittlerweile wieder strahlend blauen Himmel Rochester und schlenderte etwas im Park des Schlosses bevor es weiterging, denn alles was ich wollte, war eine Dusche. Ich ließ meinen Garmin nach Zeltplätzen suchen, doch wieder nur Caravan-sites in der Umgebung. Egal! Der nächste wurde anvisiert. Doch dort hin zu gelangen, war gar nicht einfach. Der Weg führt zwangsläufig über eine Schnellstraße ohne Fußgängerweg. Dazu war die Straße ziemlich schmal und der Pflanzenbewuchs an den Seiten relativ voluminös, so dass ich des öfteren mit der einen oder anderen Schlingpflanze einen Headcheck machte. Wie Rüdiger Nehberg nach 2 Wochen Amazonas kam ich bei der Einfahrt des Caravans Sites an. Überall ausladende Sicherheitsschilder und die hohe Schranke war zu. Plötzlich fuhr ein Auto hinaus und ich nutzte die Gelegenheit um rein zu kommen. Doch niemand war da! Die ganze Anlage war voller Wohnwagen und Wohnmobile, aber keine Menschenseele war auszumachen. Nachdem ich mein penetrantes Klingeln ausdauernd betrieb, hatte ich schließlich Erfolg. Ein etwas neben sich stehender Mann kam und erklärte mir, dass dieser Platz aufgegeben wurde, hier niemand bis auf ihn, seine Frau und ein weiteres Ehepaar (ohne die ich gar nicht aufs Gelände gekommen wäre) und ich doch lieber woanders hinfahren sollte. Sein Blick schwenkte über das schwitzige, ausgemergelte Mich auf mein Rad und meine Amnesty-Flagge. “Du bist von Amnesty?” “Ja, ich versuche mit meiner Fahrrad – Nordseeumrundung Spenden zu sammeln und bin ehrenamtliches Mitglied in einer Ortsgruppe”, antwortete ich. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, nahm 11dder Mann einen Schlüssel aus einer Schublade und zeigte mir, wo ich mein Zelt aufstellen und mich duschen könnte. Als ich ihn Geld dafür geben wollte, dass ich nun doch bleiben darf, lehnte er dies ab und sagte, dass er einmal in Thailand “sehr, sehr schlimme Sachen” erlebt hätte und Amnesty ihn damals geholfen hätte!
Ich bohrte nicht noch tiefer, sondern bedankte mich mehrmals, baute mein Zelt auf, nahm die erhoffte Dusche und machte mir Gnochies mit Chili-Tomatensoße. Und während ich hier im Zelt liege und diesen Eintrag schreibe, fängt es erneut an zu regnen…… und hier sind erst recht keine Mädels in weißen T-Shirts!

Song des Tages: Heute hörte ich viel deutsche Musik. Ich erspare mir das Londoner Gewusel mit dem Rad, weshalb ich es nicht mehr ganz geschafft habe von der Elbe bis zum Big Ben zu komme. Trotzdem: “Leider unvermittelbar” von ClickClickDecker

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