Tag 10 – Von Smidie bis Grenaa

10-1 Route 5

Gestern Nacht konnte ich nicht gut einschlafen. Ich hatte einen sehr entspannten Abend und vielleicht war ich dann zu ausgeruht ;-) Schließlich klappte es mit dem Schlafen. Morgens dann erst um 9Uhr aufgewacht. Ich machte mein Standardfrühstück bestehend aus meinem selbst zusammengestelltem Müsli inklusive Milch-Protein-Drink, den ich mir wiederum aus Magermilch- und Eiweißpulver mixte. Mmmmh! Nach 10 Tagen immer noch ein Genuß!

:-/

Nachdem ich dann Camilla sattelte und zum Aufbruch fertig war, warf ich noch 25 Kronen in die Spendenbox des Shelters. Die Smidie-Leute hätten wirklich mehr verdient, aber was will man von einem armen Sozialpädagogen erwarten?!

Es ging gleich munter los, als ich mich erst einmal total verfuhr! 5 Km in die falsche Richtung + 5 Km wieder zurück = 10 Km Umweg :-(

Dann war ich aber wieder auf dem richtigen Weg und es kam der erste Regenschauer seit einer Woche. Dauerte zum Glück nicht lange. Kurz darauf traf ich den ersten Radkollegen des Tages. Er kam aus Kopenhagen, machte mit der Familie eine Woche Urlaub an der Ostsee und fuhr nun wieder zurück nach Hause, während die Familie die Strecke mit der Auto bewältigte.

Kurze Zeit später traf ich einen älteren, aber gut durchtrainierten Schweden auf seinem Rennrad. Er wollte über Grenaa mit der Fähre nach Varberg und von da aus wieder zurück nach Hause fahren. Da er sich jeden Abend ein Hotel gönnte, konnte er mit Sturmgepäck fahren. Wir fuhren eine ganze Zeit zusammen und klönten, doch er war einfach schneller als ich und da er noch seine Fähre erwischen wollte, trennten sich unsere Wege.

Dann war er da. Wer hätte nach den ersten drei Tagen gedacht, dass ich überhaupt so weit kommen würde. Ein großartiger Moment: Ich fuhr mit dem Tageskilometer 35,8 den TAUSENDSTEN Kilometer meiner Tour!

Und hier das Video dazu:Der TAUSENDSTE KILOMETER, BABY!

Aber keine Müdigkeit vorschützen – nach meinem üblichen Lunch ging es weiter Richtung Grenaa. Als ich schon den Cycleroutenweg einschlagen wollte, der eben mal 30 Km länger war als die Strecke über die Landstraße, kam ein älterer etwas untersetzter Mann vorbei. Er sah mich wie ich gerade anhielt, um einen Blick auf meine Karten zu werfen. Er sagte mir, ich solle um Gottes Willen die Straße nehmen. Die Route wäre sehr hüglig und anstrengend. OK, dachte ich: Entweder 110 Km Straße oder 140 km offroad?! Natürlich entschied ich mich für die Straße und hoffe trotzdem noch einmal irgendwann das Zertifikat für den North Sea Cycle Route zu erhalten – auch wenn ich nicht immer auf der Originalstrecke gefahren bin ;-)

Endlich kam ich gegen 18Uhr in Grenaa an. ES WAR GESCHAFFT. Ich hatte den offiziellen Teil des Nordseeküstenradweges hinter mich gebracht. Aber ab zum Hafen und nicht in Sentimentalität verfallen, sondern schnell das Shelter finden. War gar nicht so einfach, aber ein Mann von der „Naturskolen” half mir das Shelter, bestehend aus 3 Hütten direkt vor einem Teich, zu finden. Leider war erneut keine Menschenseele zu sehen. Auf dem Weg hierher traf ich einen jungen Mann, der mit dem Kajak hier war. Er sagte mir, dass er vielleicht noch später zum Shelter kommt. Dann fragte er noch, woher ich komme und ich sagte „Tyskland”. Er sagte „Oh” und ging – hoffentlich schreckte ihn meine Nationalität nicht ab ;-)

NOPE – kurz nachdem die letzten Zeilen zuende geschrieben hatte, kam Jakob mit seinem Kajak rum. Wir sammelten zusammen Holz und machten uns ein Lagerfeuer bei dem wir dann den Abend mit Gesprächen ausklingen ließen. Dabei sprachen wir ausführlich über die Art und Weise per Fahrrad bzw. per Kajak seinen Urlaub zu verbringen, die schönsten Momente der Reise und seine diversen Ex-Freundinnen.

Zum ersten Mal überhaupt bei dieser Reise sprach ich intensiv über Beziehungen und meine Trennung. Er konnte nicht begreifen, wie ich 8 Jahre mit einer einzigen Frau zusammen bleiben konnte. Seine Beziehungen gingen nie länger als 6 Monate. Dabei bediente er sich Anmachen, wogegen 50Cent ein Don Juan ist. So campte er im letzten Sommer auf einer anderen Kajaktour mal in einem Shelter mit einer Schwedin. Sie lagen schon in ihren jeweiligen Schlafsäcken, bis er sagte: „Weißt du, ich glaube mein Schlafsack ist wärmer als deiner!” …die Beziehung hielt 3 Monate :-)

Toller Abend mit sehr vielen spaßigen Geschichten

… und vielleicht sollte ich an meinen Anmachsprüchen arbeiten

… und an meiner Oberarmmuskulatur! ;-)

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