Tag 1 – Von Harburg nach Büsum

Rad am Start

Radfahren! Einfach sich aufs Rad schwingen und dann los. Einfach mal sich auspoweren und sehen, was der Körper aushält. Einfach sich mal wieder auf das Wesentliche konzentrieren und nicht im Luxus schwelgen, indem man z.B. sich ein Glas Wasser aus der Leitung zapfen kann – wann man will! Nicht jede Nacht auf einer Premium Noppen-Kaltschaummatratze schlafen. Einfach mal den Kopf durch-pusten lassen.

Das waren Gedanken, die ich mir hin und wieder machte, nachdem meine Beziehung nach 8 Jahren in die Brüche ging. Ich wollte raus -ich wollte weg. Ob dieser Wunsch daraus resultierte, dass ich davonlaufen oder zu mir laufen wollte – sei dahingestellt.

Nichts desto trotz stand der Entschluss irgendwann fest. Ich würde meinen noch in Beziehungszeiten eingereichten Urlaub mit einer Radreise ausfüllen und ich wusste auch schon wohin: Nach Dänemark. Ein Land, was ich nur durch die Brille des jungen Erwachsenen kennengelernt hatte, der sich mit seinen Freunden hin und wieder in ein Novasol oder Dancenter Ferienhaus eine Woche einnistete, um zu entspannen, zu trinken und zu feiern. Ole Ole!

Am Morgen des 22. Juli 2011, kurz nach dem Rasieren ging es ohne große Vorbereitungen los in mein dänisches Abenteuer. Ich kam leider nicht so richtig aus dem Bett, weswegen es dann schon 9:20h war. Ich hatte nicht gefrühstückt, also wollte ich mir etwas beim Bäcker holen. Leider fand ich nicht sofort einen, aber nach dem dritten türkischen Bäcker fuhr ich wenige Minuten später mit Schafskäse-Börek im Magen ab in Richtung Alter Elbtunnel. Danach immer den North Sea Cycle Route entlang. Dieser größte Radweg der Erde führt, das fand ich später erst heraus, ca. 400 Meter von meiner Haustür entfernt direkt durch meine Heimatstadt. Gibt es einen kürzeren Anfahrtsweg?

Am Anfang war ich ziemlich euphorisch, was aber leider rasant schnell verebbte. Der einsetzende Regen und diverse Flashbacks an die kaputte Beziehung waren dafür verantwortlich. Zusätzlich war das alleine sein, sehr viel härter als vorher gedacht. Niemand der dich aufheitert, niemand der diese Erfahrung mit dir teilt und niemand der … der DA ist!

Der Nieselregen ging nicht nur durch jede Pore meines Körpers, sondern auch durch meine technischen Geräte. Ich fuhr mit meinen neuen super-tollen Smartphone. Noch schnell im Google-App-Store für 60 Euro ein Europa-Navigationssystem heruntergeladen und ich braucht mir kein teures Fahrrad-Navi, geschweige denn richtige Karten aus Papier kaufen – GOTT, bin ich clever ……… MÖÖPP!

“Achtung: Ihre Speicherkarte ist defekt. Bitte formatieren sie, um sie wieder zu benutzen!”

Ja ne, ist klar! Auf meiner Speicherkarte waren nicht nur alle Karten für das Navi, sondern auch bisher gemachte Bilder (deswegen gibt es auch nicht wirklich gute vom ersten Tag), Videos, Hörbücher und natürlich auch das dänische Wörterbuch … und es regnete munter weiter :´-(

So fuhr ich im Zick-Zack und mit jeder Menge Pausen, weil ich frustriert an irgendeiner Kreuzung stand und nicht wusste wohin, in fast 9 Stunden und schlappen 144 Km zu Freunden von mir. Diese besuchten ihre Familie in Büsum und luden mich im Vorwege zu sich ein, was ich dankend annahm.

Nach einer Dusche, die Wiederaufspielung der Navi-Daten dank WLAN Anschluss, einem Bier und ihrer Gesellschaft (samt Siedler von Catan) ging es mir wieder etwas besser, doch ich dachte mit Graus an die nächsten Tage.

Ich wünschte mir insgeheim ich würde einen Unfall haben und mir das Bein brechen. Ich wollte nicht zurück nach Hause kommen und jedem den ich vollmundig von meinem Vorhaben erzählte, einmal rund um Dänemark zu fahren ins Gesicht sagen, dass ich schon nach wenigen Tagen aufgeben musste. Ich hatte Angst vor den nächsten Tagen!

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